Kultur-Positionen des Schweiz AG TQM - Leadershipkonzeptes

1. Der Kultur-Begriff des NFP 21
2. Kultur im engeren und weiteren Sinne
3. Die "Rundum Qualität" der Kultur 
4. KaiZen das Wesen des Kulturschaffens 
5. Unterschied zwischen KaiZen und Innovation  
6.
Quelle und Literaturhinweise

Für das Verständnis des TQM-Leadershipkonzeptes und der Schweiz AG ist eine Verständigung darüber, was unter Kultur zu verstehen ist, unabdingbar. Der vorherrschenden Vorstellung von Kultur als reiner Freizeitgestaltung und Unterhaltung ("Kulturkonsum") stellen wir eine andere Vorstellung von Kultur entgegen, die sich am Kultur-Begriff des Nationalen Forschungs-Programmes 21 (1) und dem des "Regionalen Entwicklungskonzeptes II" der Region Region Brig-Östlich Raron (2) orientiert und beim IDV>IDEE-SUISSE E-Culture Projekt in der "Rundum-Qualität" der Kultur und "KaiZen-Philosophie" mündet. Daraus erwächst das, was wir "E-Culture" - die Silicon Valais Unternehmens-Kultur nennen und hier behandelt wird.

1. Der Kultur-Begriff des NFP 21

Kultur prägt die Lebensweise und Vorstellungswelt von Gesellschaft und Individuum. Kultur umfasst sowohl die materiellen als auch die geistig-emotionalen Äusserungen und Leistungen. So gehören Bauweise, Arbeitsgestaltung, Ernährung, Kleidung, gesellschaftliche Institutionen ebenso zur Kultur wie Kommunikationsformen, Verwandtschaftssysteme oder Riten. Kultur steht im Spannungsfeld zwischen Tradition, sozialem Erbe und Innovation. Sie regelt das soziale Verhalten, das seinerseits wieder auf die Kultur zurückwirkt. So ist Kultur nicht statisch, sondern stets auf Veränderungen ausgelegt, als dauernder Prozess, wechselseitig zwischen Individuum und Gesellschaft.

2. Kultur im engeren und weiteren Sinne

Kultur im engeren Sinne ist die schöpferische künstlerische Tätigkeit von Individuen und Gruppen oder in den Worten Nietzsches: "Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäusserungen eines Volkes. Vieles wissen und gelernt haben ist aber weder ein notwendiges Mittel der Kultur, noch ein Zeichen derselben und verträgt sich nötigenfalls auf das beste mit dem Gegensatze der Kultur, der Barbarei, das heisst: der Stillosigkeit oder dem chaotischen Durcheinander aller Stile". (Zitiert nach David Strauss, Nietzsches Werke in zwei Bänden, Band 2, Salzburg 1952,S.11).

Kultur im weiteren Sinne ist alles, was nicht zur Natur gehört, was Produkt menschlicher Tätigkeit ist. Kultur ist Ausdruck einer Lebensform (Sprache, Kommunikation, Kunst, Technik, Religion und Wissenschaft); Kultur ist das Ganze unseres historischen Erbes. Und dieses kulturelle Erbe des Wallisers weist in Sprache, Geschichte, Sitte und Gebräuchen, Handwerkstechniken, Architektur, Wirtschaftsweisen, Mythen und Legenden usw. spezifische Merkmale im Ober- und Unterwallis auf, die es zu erkennen und überbrücken gilt. 

3. Die „Rundum Qualität“ der Kultur

Das Potential der Kultur als ein in alle Lebensbereiche einwirkendes gesellschaftliches Phänomen im allgemeinen und als Wirtschaftsfaktor im besonderen wird immer noch unterschätzt. Dies rührt daher, dass man Kultur meist mit reiner Freizeitgestaltung und Unterhaltung ("Kulturkonsum") verwechselt und nicht als "Rundum-Qualität" oder Essenz des "KaiZen-Gedankens" wahrnimmt. Im Sinne des folgenden 4-Stufen-Modelles, welches die Entwicklung des "Qualitäts-Begriffs" (3) vom "little Q" zum "big Q" und "Q-Symbol" aufzeigt, ist Kultur die Stufe, welche für die Qualitäts-Erstellung massgebend ist. Kultur ist das, was die Qualität macht, ihr Gestalt verleiht - Mind (Geist) und Mentality (Psyche) als Gestaltungs-Mittel kennt. Wo diese unterentwickelt sind, bzw. zu kurz kommen, bleibt die Kultur auf der Strecke - lenkt der "Marketing-Charakter" (4) und das "GPM"-Motivationskonzept (5)  die Geschicke der "Gesellschaft" (6). Folge: "bürokratisches Denken" (7) breitet sich aus und eine "Krise der Glaubwürdigkeit" (8) macht sich bemerkbar.

1.Stufe: systematische Qualitäts-Kontrollen - "little Q"
2.Stufe: Null-Fehler-Programm  
3.Stufe: Total Quality Management[die Rundum-Qualität der Unternehmensführung] oder das "big Q
4.Stufe: The Quality Makers: Mind - Mentality - Management [die Rundum-Qualität der Kultur] oder worauf es bei der  „Qualitäts-Erstellung“ letztlich ankommt - "Q-System" und das gewisse "Plus" - das für "Mehr-Wert" steht.

Unterscheiden lassen sich bei der "Rundum-Qualtität der Kultur“  einerseits die Dienstleistungsqualitäten (9):  

Potentialqualität: die Fähigkeit und Bereitschaft zur Erbringung einer Dienstleistung;  
Prozessqualität: Dienstleistung als Prozess an sich;  
Erlebnisqualität: die Wirkung der entsprechenden Dienstleistung

und andererseits der  

Tech Quality – Hardware: Der materielle Qualitätsteil (Produkt, Werk, Infrastruktur);
Touch Quality – Software: Der immaterielle, gefühlsmässig wahrnehmbare Qualitätsteil, der eine Gefühlsregung voraussetzt und durch die Stimmungs-Faktoren: Klima, Atmosphäre, Wohlfühlen usw. beeinflusst wird.

Entscheidend für das Qualitäts-Empfinden ist die Mischung zwischen der angebotenen Software und dem kulturellen Hintergrund des Beurteilenden, sein "Geschmack" (10)  und sein "ästhetisches Empfinden" (11)  und weniger die häufig überschätzte Hardware, die eher als Voraussetzung denn als empfundene Qualität zu sehen ist. Kurz, es gilt Qualität zu bieten, die auf der Empfängerseite bemerkt und geschätzt wird, motiviert, Freude macht und Berufsstolz erzeugt. Das allerdings hat weniger mit "Total Quality Management" (12) als mit "Total Quality Mentality" (13) zu tun und einem "Total Quality Mind", einem Bewusstsein für "Ganzheitlichkeit" (14) und dem Ziel durch kontinuierliche Verbesserungen die beste Qualität der Produkte und Dienstleistungen zu ereichen (15).

4. KaiZen das Wesen des Kulturschaffens

Als das umfassendste Qualitätsmanagement-System gilt "KaiZen" (16). Dabei bedeutet "Kai“ verändern, reformieren und "Zen“ heisst verbessern, vervollkommen. "KaiZen“ kann man mit Streben nach Ganzheit übersetzen, mit dem Hauptziel, kontinuierlich seine Leistungen  zu optimieren mittels: Verbesserung (Qualitäts-Entwicklung) und Erhaltung (Qualitäts-Sicherung).

5. Unterschied zwischen KaiZen und Innovation

KaiZen“ wird in der japanischen Sprache für jegliche Art der Verbesserung verwendet, nicht nur im Bereich Unternehmen. Der Unterschied zwischen „KaiZen“ und „Innovation“ ist wesentlich. Während „KaiZen“ schrittweise Verbesserung unter Einbezug aller Faktoren bedeutet, geht es bei der „Innovation“ um grosse Fortschritte, die nicht stetig, sondern diskontinuierlich erfolgen. Dazu kommt, dass die „Innovation“ ein hohes Spezialisierungswissen unter grossem finanziellen Einsatz voraussetzt. „KaiZen“ ist das Wesen des „Kulturschaffens“, „Innovation“ dasjenige der „Kunst“. Beide stehen zueinander wie  Yin“ und „Yang“ (17), d.h. sie sind ineinander enthalten und ergänzen sich, wie "Schweiz AG" und "Wallis AG", aus deren Interaktion der Sinn-Gehalt eines "Unternehmens guter Bürger" erwächst und Gegenstand der beiden "Rotary Welt AG"  Internet-Publikationen "Rotary-Switzerland" + "Rotary-Oberwallis" ist...

6. Quelle:

Marc W.Grünwald/Hubert Theler KTW-Projektskizze zur Förderung des Kultur Tourismus im Wallis. Situation - Konzeption - Realisation, Brig/Naters 18.12.2000,S.4,6f. 

Literaturhinweise:

(1Kulturbegriff nach NFP 21 „Kuturelle Vielfalt und nationale Identität“, zitiert nach Franz Steinegger: Mehr Kultur in allen Lebensbereichen, in: Die Schweiz als Ferienland und Lebensraum, Rapperswil 1993, Verband Schweizerischer Verkehrsvereine,S.57  
(2) Region Brig-Östlich Raron: Regionales Entwicklungskonzept II, Brig-Glis/Termen, 25.11.1993,S.115f. Bedeutung von Kultur; WB-Artikel: Brig-Glis als Kulturstadt. Die CVP Brig-Glis-Gamsen-Brigerbad sagt klar Ja, Walliser Bote, 29.11.2000,S.25
(3) Hansruedi Müller: Qualitätsorientiertes Tourismus-Management. Bern/Stuttgart/Wien 2000, Haupt,S.22ff.: Qualitätsbegriff im Wandel 
(4) Erich Fromm: Psychoanalyse und Ethik. Bausteine zu einer humanistischen Charakterologie. 2.Auflage, München 1986, dtv, S.51ff.: Der Charakter, S.61ff.: Die Marketing-Orientierung. Siehe auch Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, 15.Auflage, München 1986, dtv,S.76,141-146,190ff.: Marketing-Charakter 
(5) Heijo Rieckmann: Inneres Wachstum - Äusseres Wachstum, in: Uwe Schäkel/Jürgen Scholz, Hrsg.: Neue Wege der Leistungsgesellschaft. Wertewandel und seine praktischen Konsequenzen im Unternehmen, Reihe Betriebliche Weiterbildung, Band 4, 1.Auflage, Essen 1982, Windmühle, S.74: "Die Werte der heutigen Motivations- und Belohnungswährung bestehen aus "GPM's", nämlich aus Geld, Prestige, Macht. Was wir jedoch dringend benötigten, wäre eine alternative Wert-Währung, die vornehmlich auf Leistungsbeiträgen in Formen ganzheitlichen Helfens, Entwickelns, Integrierens und Verantwortens beruhten, wobei Motivation und Belohnung sich eher in  Formen von Anerkennung und vertrauensvoller Nachfrage aktualisieren, einschliesslich Freude, die entstehen kann, wenn gemeinsame Probleme in einer menschenförderlichen und ökologisch verantwortlichen Art kooperativ und erfolgreich gelöst zu werden vermochten. Also Bezahlung durch "ANF's" statt durch "GPM's"." 
(6) T.B.Bottomore: Elite und Gesellschaft. Eine Übersicht über die Entwicklung des Eliteproblems. München 1966, C.H.Beck; Thomas Dyllick: Gesellschaftliche Instabilität und Unternehmungsführung. Ansätze zu einer gesellschaftsbezogenen Managementlehre. Bern/Stuttgart 1982,Haupt,S.3ff.: Die gegenwärtige "Krise" der Menschheit; S.64ff.: Überforderung der natürlichen Umwelt; S.114ff.: Überforderung des Menschen; S.142ff.: Überforderung der gesellschaftlichen Institutionen; Gottlieb Guntern: Maskentanz der Mediokratie. Kreative Leadership versus Mittelmass, Zürich 2000, Orell Füssli

(7) Peter Block: Der autonome Manager. Macht und Einfluss am Arbeitsplatz. Gegen bürokratische Abhängigkeit, übertriebene Vorsicht und Verantwortungslosigkeit. Frankfurt am Main/New York 1992, Campus,S.33ff: Ursachen bürokratischen Denkens 
(8) Andreas Drosdek: Credibility Management. Durch Glaubwürdigkeit zum Wettbewerbsvorteil. Frankfurt am Main/New York 1996, Campus und Reinhard K.Sprenger: Das Prinzip Selbstverantwortung. Wege zur Motivation. Frankfurt am Main/New York 1995,Campus, S.222ff.: Die Krise der Glaubwürdigkeit
(9) Hansruedi Müller: Qualitätsorientiertes Tourismus-Management, a.a.O.,S.24ff.: Servicequalität
(10) André Mercier: Das Phänomen Kunst, in: Kunst heute, Betrachtungen im Lichte zeitgenössischer Tendenzen, Universität Bern Kulturhistorische Vorlesungen 1972/73, Bern/Frankfurt am Main 1974, Herbert Lang, S.10ff.: Frage des Geschmacks
(11) Max J.Kobbert: Kunstpsychologie, Kunstwerk, Künstler und Betrachter, Darmstadt 1986, Wissenschaftliche Buchgesellschaft,S.7ff.: Ästhetisches Erleben und Gestalten,S.129ff.: Schein und Wirklichkeit im Bildwerk. Vgl. dazu auch Mario von Cranach: Über die Kommunikation in der bildenden Kunst, in: Kunst heute, a.a.O.,S.37-51 
(12) Gerd F.Kamiske/Jörg-Peter Brauer: ABC des Qualitätsmanagements. München/Wien 1996, Hanser 
(13) Monique R.Siegel: TQM oder die Verhinderung des Qualitätsdenkens, in: io Management Zeitschrift Nr.64, Zürich 1995,S.114: Total Quality Mentality statt Total Quality Management; Planval im Auftrage der Region Brig-Östlich Raron: Dienstleistungszentrum Brig, Brig,Januar 1993,S.29ff.: Umfrageergebnisse und Gedanken zur Mentalität des Wallisers
(14) Fredmund Malik: Führen - Leisten - Leben. Wirksames Management für eine neue Zeit. 5.Auflage. Stuttgart/München, DVA, S.88ff.: Beitrag zum Ganzen  
(15) Philipp Theden/Hubertus Colsman: Qualitätstechniken. Werkzeuge zur Problemlösung und ständigen Verbesserung. 2.Auflage. München/Wien 1997, Hanser  
(16) Otto Gabor Sebestyén: Management-Geheimnis Kaizen. Der japanische Weg zur Innovation, Wien 1995, Ueberreuter und Hansruedi Müller,a.a.O.,S.42,78f.: Kaizen  
(17) Frank Fiedeler: Yin und Yang. Das kosmische Grundmuster in den Kulturformen Chinas. Köln 1993, DuMont und Christopher Markert: Yin-Yang. Harmonie von Sinnlichkeit und Vernunft. 2.Auflage, Düsseldorf/Wien 1985, Goldmann

© 2000-05 kca - Letzte Änderung: 8.1.05