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Wie läuft nun der Mechanismus der Wert-Zumessung ab, der im Rahmen der kritischen Selektion stattfindet? Die Wert-Zumessung erfolgt nach Gottlieb Guntern (1991,S.46ff.) in einem transaktionellen Feld, das drei mehr oder weniger gut definierte Wert-Pole zu haben scheint. Sie beginnt beim Kreativen selbst, erfolgt dann durch die Kultur, in der er lebt, und wird schliesslich transkulturell bzw. universell. Der erste Wert-Pol ist nach Guntern der individuelle Wert-Pol des kreativen Menschen. Er misst seinem Werk einen bestimmten Wert zu. Er glaubt an diesen Wert, sonst könnte er die ganze, oft reichlich frustrierende Erfahrung des kreativen Prozesses gar nicht bewältigen. Der zweite Wert-Pol ist der soziale Wert-Pol. Sachkenner, Kritiker, Berufsgenossen, Händler, Sammler und das interessierte Publikum zählt er dazu, welche einem Werk einen Wert zu messen. Ihr Hauptkriterium für die Wertzumessung ist die Frage, was ein Werk für die betreffende Gesellschaft und ihre Kultur bedeutet. Beim dritten Wert-Pol, den Guntern universeller Wert-Pol nennt, scheint das Hauptkriterium zu sein, welchen Beitrag ein Werk für das Universum schlechthin leistet - und zwar unabhängig von einer konkreten Gesellschaft oder von einer spezifischen Kultur. Beispiel: Die Pyramiden von Gizeh und die Architektur der Mayas sind Werke von einer spirituellen Bedeutung, die eine konkrete Kultur transzendieren und einen Beitrag ans Universum bedeuten. Steht ein Werk ganz nahe am individuellen Pol, dann ist es nicht von grossem Wert. Der Erfinder, Entdecker oder Erschaffer einer neuen Form findet sein Werk zwar grossartig, aber damit hat es sich. Steht das Werk ganz nahe am sozialen Wert-Pol, dann ist es ebenfalls ein Werk von geringem Wert. Es mag sich um Werke handeln, denen der Erfinder selber zwar keinen besonderen Wert zumisst, mit der sich jedoch reichlich Geld verdienen lässt, weil sie dem Massen-Geschmack der Konsum-Gesellschaft entspricht, oder den Zeit-Geschmack trifft und deshalb von vielen Zeit-Genossen entsprechend geschätzt wird. Steht das Werk primär ganz nahe am universellen Wert-Pol, dann lässt sich darüber kaum etwas sagen, da nach Guntern kein Fall bekannt ist, der auf dieses Gedanken-Modell zutrifft. Aus rein logischen Gründen, schliesst er aber nicht aus, dass es solche Werke gibt. Steht ein Werk hingegen im Zentrum des Werte-Dreiecks, dann ist es ein Werk mit einem grossen Wert, weil es allen drei Wert-Polen und ihren Kriterien gleichermassen gerecht wird. Letztlich ist es die Zeit, die einem Werk seinen endgültigen Platz in der Wert-Skala der kreativen Produkte zuweist. Damit wir ein Werk mit einiger Gewissheit definitiv plazieren können, müssen wir das Werte-Dreick zu einer Wert-Pyramide umformen, deren vierte Dimension die Zeit darstellt. Nur was ganz lange währt und seinen Wert stets beibehält oder ihn mit der Zeit vergrössert, ist zuoberst in dieser Werte-Pyramide angesiedelt. Andere Werke finden sich, je nach Zeitbeständigkeit, auf verschiedenen Niveaus innerhalb dieser Pyramide |
| Quellenanmerkungen: |
| Guntern G.,Hrsg.: Der kreative Weg. Kreativität in Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft, Zürich 1992,Moderne Industrie,S.42f.: Wertschätzung,43ff.: Der Zusammenhang zwischen Originalität und Wertzumessung,S.46ff.: Das Paradox der Wertzumessung,S.48ff.: Die Wertpyramide |
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