Wert - Begriffe > Denken

Das normale menschliche Denken scheint gegenüber "Veränderungen" vorwiegend in ziemlich radikalen Pendel-Ausschlägen von Pol zu Pol zu arbeiten und in "entweder-oder" Kategorien zu verharren. Die neuesten Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung auf allen Gebieten legt uns aber nahe, dass alles "sowohl-als-auch" sein kann. Das heisst, dass es überhaupt keine absoluten Gegensätze gibt, sondern nur relativ verschiedene Betrachtungs-Standpunkte - gleichgültig ob es sich um "Chancen und Risken" handelt, oder um "Normen und Werte", "Objekte und Subjekte" geht - "reell" wie "ideell".

Hierbei lassen sich nach Weinhold-Stünzi (1985,S.571f.) folgende  Wert-Begriffe unterscheiden, welche den Bezugs-Rahmen des "Value" [Wertfindung] - "Action" [Umsetzung] - "Leadership" [Wertfindung und Umsetzung mit Konsens]" definieren:

Unter Wert verstehen wir die Bedeutung, welche einem reellen oder ideellen Gegenstand, subjektiv oder objektiv, individuell oder in Konsens mit Kollektiven zugemessen wird. Zur Bestimmung eines Wertes braucht es den Gegenstand, die Mass-Einheit, die Bemessungs-Kriterien und das Aus-Mass. Streng genommen ist der Wert nicht identisch mit dem Gegenstand. In der sozialwissenschaftlichen Literatur wird diese Finesse nicht berücksichtigt. 

Wert im weiteren Sinne umfasst alle Kategorien von Wert-Gegenständen. Wert im engeren Sinne wird in den Geistes- und Sozialwissenschaften oft auf die sittlichen Werte beschränkt. Wert muss von "Einstellung" unterschieden werden. Auch diesbezüglich wird meist - vor allem auch in der Betriebswirtschaftslehre - die Terminologie nicht streng angewandt. 

Gesamtheit aller gespeicherten Werte. Der individuelle (endogene) Wert-Thesaurus umfasst alle beim Individuum in Seele und Geist vorkommenden Werte, der kollektive (exogene) alle in einer bestimmten Gesellschaft (Gemeinschaft) registrierten Werte.

Sie stellt das "Soll"-Bild - "Wunschbild" - der Werte dar.

Sie umschreibt den "Ist"-Zustand der Werte in konkreten Entscheidungs-Situationen.

Bezeichnet die Veränderung der Werte, d.h. der Wert-Gegenstände,der Bemessungs-Kriterien, der Gewichtungen, der Wert-Vorstellungen und der Wert-Haltungen sowohl im individuellen als auch im kollektiven Bezug

Dieser Begriff wird meist als Synonym zu Wert-Wandel verwendet. Vom Sprach-Gebrauch her enthält er die Nuance einer raschen und heftigen Veränderung.

 

Ausdruck für das im Bewusstsein und im Un(ter)bewussten existierende Kompositum von einzelnen Wert-Elementen, bezogen auf eine Situation oder einen seelischen Zustand.

 

Quellenangaben und weiterführende Literatur

Brauchlin E.: Die Rolle der Unternehmungen in der Gesellschaft. In: Probst.G.J.B./Siegwart H.,Hrsg.: Integriertes Management. Bausteine des systemorientierten Managements, Bern 1985,Haupt,S.422: Die objektive Welt des Geistes nach Popper: Werte - Normen - Symbole - Wissen 
Jöhr W.A.: Werte und Verantwortung des Managementwissenschafters,Ebenda,S.583-637  
Lattmann C.: Sollensaussagen in der Betriebswirtschaftslehre, Ebenda,S.493ff.: Das Paradigma der Werturteilsfreiheit in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,S.496ff.: Die Auseinandersetzung der Betriebswirtschaftslehre mit den Wertentscheidungen der Unternehmung, S.499ff.: Die Rückführung von Wertentscheiden und Sollenswahrnehmungen auf ihre Entstehung bewirkende Vorgänge. 
Müri P.: Psychologische Aspekte der Projektarbeit, in: Daenzer W.F./Huber F.,Hrsg.: Systems Engineering, Methodik und Praxis,7.Auflage,Zürich 1992, Industrielle Organisation,S.288 Unterschied von Fakten-, Werte- und Bild-Denken,S.291f. Das GGEEVV-Vorgehensmodell des Value-Action-Leadership

Weinhold-Stünzi H.: Wertedynamik - Konsequenzen für die Unternehmungsführung, Ebenda,S.558: Vereinfachte Darstellung des Bewertungs- und Entscheidungsprozesses, Motive - Denken - Fühlen - Werte - Entscheid, S.560ff.: Modell der endogen betrachteten Verhaltensweisen von Absatzpartnern,571f.: Kleines Glossarium zu Wertbegriffen

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