| Technischer Fortschritt |
| "Da sich heute die Maschinen des Menschen, und nicht seine Anatomie, weiterentwickeln, ist er in seiner funktionellen Bezogenheit auf die Welt inzwischen längst aus seiner eigenen persönlichen Haut gestiegen. Die tatsächliche evolutionäre Einheit ist heute nicht mehr der blosse Körper des Menschen, sondern alle Gehirne aller Menschen zusammen mit allen Stoffen ausserhalb des Körpers, die den Menschen unter die Hände geraten. Das physische Ego des Menschen ist so erweitert, dass es alles umfasst, was in Reichweite seiner manipulierenden Hände, in Sichtweite seiner suchenden Augen und in Zielweite seines ruhelosen Gehirns liegt." |
| W.La Barre - zitiert nach Dyllick,1982,S.2 |
| "Die hauptsächlichen Unterschiede zwischen der menschlichen Ökologie und der Ökologie anderer Lebewesen entstehen aus dem schnellen Wandel, den die Technik in Form in der sie von westlichen Gesellschaften eingesetzt wird, in die Beziehung zwischen den Menschen und ihrem physischen Milieu eingebracht hat. Dies hat eine Kettenreaktion selbsterregender Änderungen in der physischen Welt und in den Beziehungen der Menschen zu ihr und untereinander in Gang gesetzt." |
| Geoffrey Vickers - zitiert nach Dyllick,1982,S.2 |
| "Die Menschen haben in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation das "Augenmass" für jene Gleichgewichtsverhältnisse verloren, die für sie Existenzbedingung sind. Sie haben Prozesse entfesselt, die irreversivel die bisherigen Gleichgewichte zerstören. Aber es ist nicht zu spät, an die alte Weisheit zu erinnern, dass nichts in der Natur Bestand haben kann, was sich nicht innerhalb seiner spezifischen Masse hält, und dass die Individuen, die Gesellschaften und Imperien zugrundgehen, wenn sie ihre Masse überschreiten." |
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Georg Picht - zitiert nach Dyllick,1982,S.2 |
| "Es ist das grosse Problem unserer Zeit, das Gleichgewicht und die Ganzheit des modernen Menschen wieder herzustellen, ihm die Fähigkeit zu geben, die Maschinen, deren Schöpfer er ist, zu beherrschen, anstatt dass er sich hilflos in Mitschuld verstrickt und zu ihrem passivem Opfer wird. Vor uns steht die Aufgabe, in das Herz unserer Kultur wieder Ehrfurcht zu senken vor den wesentlichen Merkmalen der Persönlichkeit, der Schöpferkraft und der Autonomie, der der abendländische Mensch in dem Augenblick verlor, da er sein Eigenleben aufgab, um sich ganz der Verbesserung der Maschinen zuzuwenden. Kurz gesagt, das Problem unserer Zeit besteht darin, wie wir uns davor bewahren können, gerade dann Selbstmord zu begehen, wenn der Höhepunkt unserer einseitig technischen Triumpfe erreicht ist" |
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Lewis Mumford: Kunst und Technik, Stuttgart 1959,Kohlhammer,S.13 |
| "Die Rettung liegt nicht etwa in der pragmatischen Anpassung der menschlichen Persönlichkeit an die Maschine, sondern in der Wiederanpassung der Maschine, die ja selbst ein Produkt der Forderung des Lebens nach Ordnung und Organisation ist, an die menschliche Persönlichkeit. Ein menschliches Leitbild, menschliches Mass, menschliches Tempo und darüber hinaus ein menschliches Endziel müssen die technische Betätigung und alle technischen Vorgänge umgestalten, müssen sie bändigen, wenn sie der Entwicklung des Menschen gefährlich werden, vielleicht sogar eine Weile unterbrechen ... bis geeignete politische Mittel und soziale Einrichtungen geschaffen worden wären, um die Technik in die Kanäle der menschlichen Entwicklung hineinzulenken. Wenn unsere Kultur nicht weiter der Auflösung anheimfallen soll, die sich heute bei Kunst und Technik zeigt, dann müssen wir den Vertriebenen retten und befreien. Das bedeutet, dass wir noch einmal etwas von der Vitalität und der Energie, die nun fast völlig von einer entpersönlichten Technik aufgesogen wurden, in die Kunst einströmen lassen müssen." |
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Lewis Mumford: Kunst und Technik, Stuttgart 1959,Kohlhammer,S.16 |
| Das Phänomen Kunst |
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"Wenn es zutrifft, dass es eine Mathematik, eine Chemie, eine Astronomie, eine Geologie gibt, die sich vom jeweiligen Mathematiker, Chemiker usw. unterscheiden lassen", so gibt es nach einem der grossen zeitgenössischen Theoretiker der Kunst, Bernard Berenson, "auch eine Kunst, die sich von jedem Künstler unterscheiden lässt. Wir geben der Kunst den Sinn, dass sie der Gesamtheit der unpersönlichen Tradition und Erfahrungen gleich ist, welche, dem Bild des Schatzes der Tugenden der katholischen Kirche ähnlich, allen denen dienen, die sich die Ziele und Bedingungen einer Technik zu ihrer eigenen machen, um dieselbe anzuwenden ..." Gleichermassen argumentiert Paul Weiss: "Man hat zu oft gesagt, dass sich über den Geschmack nicht disputieren lässt. Dies als Empfehlung gilt nur, um die Gemüter zu besänftigen. Aber als Bericht über die Tatsachen ist es falsch." Deshalb benötigt der künstlerische Geschmack, wenn er auch zugegebenermassen eine miteingeborene Gabe voraussetzt, zugleich eine lange (Selbst-) Erziehung (Management), um sich zu entfalten und zu reifen, genau wie kein Gelehrter entsteht, ohne nicht lange Zeit sein Fach gelernt zu haben. Eine Geschmacksache? Erst sein kurzem schafft man im Westen musische Gymnasien, für die Tagore (1960) im Osten schon längst ein Beispiel geliefert hat. "Wir wissen," sagt Weiss," dass Leute aufgeweckt, geschult und erzogen werden müssen, bevor sie behaupten können, überhaupt einen eigenen Geschmack zu besitzen." Im idealen Fall wird aus dem Beschauer einer, der angepasst, bereichert und belehrt ist. Der gemeine Beschauer erlebt nicht die volle Textur des Werkes. Nur der Kenner, zur Not der geübte Liebhaber tun es. Nur so verstanden ist die Kunst ein Phänomen im gleichen Sinn, wie die Wissenschaft auch eines ist. Jedoch entwickeln sich die beiden im entgegengesetzten Sinn. Unterscheid zur Wissenschaft Die Wissenschaft geht vom Partikularen (Besonderen) aus zum Allgemeinen hin; sie ist Abstraktion, "die Kunst" hingegen (in den Worten Boyce Gibson's) "...schreitet in der entgegengesetzten Richtung, dem Partikularen zu und nicht von ihm weg." Aus diesem Grunde erscheint die Kunst so besonders konkret: "Picasso hatte also recht, als er sagte, "dass es keine abstrakte Kunst gibt." (Wiederum ein Zitat aus Weiss nach Mercier). Auch wenn ein für allemal dieser Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaft klargelegt ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass beide die gemeinsam Qualität besitzen, dass sie uns die Natur der Wirklichkeit enthüllen. Dies bedeutet keineswegs, dass die Kunst eine sogenannte treue Darstellung dieser Wirklichkeit sein müsse; die Wissenschaft ist es auch nicht, denn keine der mathematisch ausgedrückten Formeln der Physik, der Chemie etc. "gleich" der Wirklichkeit wie ein Zwilling dem andern. Eine Unternehmung des Geistes So oder so wurzelt in der Kunst eine Art Betäubungsvermögen (Schein), welcher mit der subjektiven Natur dieser Unternehmung des Geistes zusammenhängt und wie Mercier es sagt, das sichere Zeichen dafür ist, "dass die Kunst obwohl sie eine Unternehmung des Geistes ist, untrennbar mit der Wirklichkeit verbunden bleibt, uns sogar an die Wirklichkeit mit einer unwiderstehlichen Kraft bindet und uns zwingt, von dieser Wirklichkeit zu zeugen, wie es alle Künstler getan haben." Mit einer ontologischen Aufgabe Jacques Maritain erinnert uns in dem Zusammenhang an eine doppelte Frage Plotins, die ihre eigene Antwort schon einbezieht: "Was würde aus dem Sein ohne Schönheit werden? Und was würde aus der Schönheit ohne das Sein?" Martain zieht daraus einen lakonischen aber sinnreichen Schluss, der uns alle angeht und die metaphysische Natur der Poesie unwidersprechlich festsetzt: "Ein Gedicht sollte nicht bedeuten, sondern sein", sagt er. Sinnvoll lässt sich dies auf die anderen Künste übertragen, die alle eine onthologische Aufgabe haben, ansonst sie ihre Bedeutung verlieren: sie müssen nach Mercier "aufdecken, was ist, also die Wirklichkeit in ihren universellen Wesensarten zeigen". |
| Der schöpferische Mensch |
| "Da die Konkreativität und das dadurch gekennzeichnete "reine Geschehen" nicht erst beim Menschen statthat, sondern schon die "vormenschliche" Natur in ihrem strukturalen Zusammenspiel kennzeichnet, muss all das, was man bisher nur dem Menschen einzuräumen bereit war, der gesamten Natur auf allen Stufen und in allen Bereichen eingeräumt werden.Der Mensch ist kein Sonderfall, nicht "aus der Natur herausgehoben",sondern er ist nur der bisher expliziteste Fall der Natur, der Fall, in dem sich die Natur neu begreifen und demgemäss höher steuern kann. Zu dieser Aufgabe wird der Mensch jedoch erst dann reif, wenn er sich "natürlich" und die Natur "menschlich" zu sehen lernt." |
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