Bildungs-Hintergrund A-M-E-N

M: Angaben zur Zusatzausbildung
1980-1982 Militärische Führungsausbildung: Korporal, Fourier und  
  Quartiermeister in der Gebirgsinfanterieschule Airola (San Gottardo)
  sowie an der Fourier- und QM-Schule in Bern
1990-1991  Beendigung der noch zu leistenden Dienstzeit als Mitarbeiter in der 
  Projektleitung NKI 95 (Neukonzeption Instruktorenausbildung) an den
  Militärischen Führungsschulen der ETH Zürich
Der Bezugsrahmen: Zwischen ziviler und militärischer Führung gibt es neben vielen Gemeinsamkeiten auch markante Unterschiede (Steiger,1990,S.12f.). So ist beispielsweise der Eintritt in eine zivile Firma und Führungsstruktur freiwillig, und er lässt sich in der Regel jederzeit rückgängig machen. Die Armee aber muss als "Zwangsgemeinschaft" bezeichnet werden, in der man bei entsprechender Eignung sogar zur Übernahme von Führungsfunktionen verpflichtet werden kann. Ein anderer Unterscheid: Während die Bestimmungskompetenz ziviler Führungskräfte normalerweise zeitlich, sachlich und örtlich auf die Unternehmung begrenzt ist und dem Mitarbeiter somit ein erheblicher Freiraum bleibt, ist die militärischer Befehlsgewalt vor allem im Ernstfall ein ganzheitlicher Anspruch, der sogar die Inkaufnahme des Todes beinhalten kann. 

Was zivile und militärische Führungskräfte verbindet

Der Unterschied zwischen militärischer und ziviler Führung liegt weniger darin was man tut, sondern für welche Situation man dies tut. Auf einem anderen Blatt steht, warum man dies überhaupt tut. Weil die meisten Führungssituationen im zivilen und militärischen Bereich von Menschen verursacht und gestaltet werden, steht hier die Frage der Verantwortung und Ausgestaltung eines situationsgerechten Führungsverhaltens im Zentrum, welcher als menschenorientiert bezeichnet werden kann, denn unter den austauschbaren Kleidern stecken dieselben Menschen!

- Von Verantwortung und Kompetenz 
- Die Neue Verantwortung  
- Die Frage der Zuständigkeit 
- Beurteilungskriterium Raum und Zeit 
- Das Gesetz der Neuen Verantwortung  
- Das Prinzip Selbstverantwortung 
- Der Begriff Commitment

- Gefragt situationsgerechtes Führungsverhalten 
- Drei zu handhabende Fälle  
- Handhabung des situationsgerchten Führungsstils  
- Reife als Schlüsselfaktor 
- Darstellung des situationsgerechten Führungsverhaltens/-Stiles  
- Quellen und weiterführende Literatur

"Wissen und nicht danach handeln 
heisst noch nicht wissen!" 
(alte buddhistische Weisheit)

Von Verantwortung und Kompetenz

Fest steht, dass wer eine Aufgabe übernimmt, übernimmt mit ihr die Verantwortung, sie richtig zu lösen. Um eine Aufgabe richtig lösen zu können, braucht es aber bestimmte Kompetenzen. Kompetenz ist die Befugnis, alle zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe notwendigen Anordnungen treffen zu können. Das Bewusstsein der Verantwortung ist dort am ausgeprägtesten, wo Aufgabe und Kompetenz sich entsprechen. Deshalb gilt: 

  • Aufgabe, Kompetenzen und Verantwortung müssen einander genau entsprechen. 
  • Sie bilden eine untrennbare Einheit, ein Ganzes, dessen Teile genau aufeinander abzustimmen sind. 

Für jeden Vorgesetzten stellen sich hier folgende Fragen (vgl. Organisations-Brevier des Institutes für Betriebswirtschaft der Hochschule St.Gallen,1974,S.8f.):

  • Sind für mich selbst Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung klar festgelegt und entsprechen sie einander?
  • Sind diese Zusammenhänge für jeden meiner Mitarbeiter ebenfalls klar?
  • Ist jedem klar, welche Verantwortung er mit seiner Aufgabe übernommen hat?

Die Neue Verantwortung

Die Führungskraft im Neuen Bewusstsein (Rudolf Mann,1993,S.145ff.) überprüft ihr Bild der Verantwortung. Das führt sie zu wesentlichen Veränderungen, ja eigentlich zur Umkehr, denn sie begreift die neue Ernsthaftigkeit, die diversen Führungskräften in ihren Positionen heute abhanden gekommen ist. 

Die Frage der Zuständigkeit

Die erste Frage ist, ob ich in einer bestimmten Situation verantwortlich bin oder nicht. Hier benötige ich klare Kriterien, denn die Verantwortung trage ich sowohl gegenüber meinem eigenen Gewissen als auch gegenüber den anderen Menschen. Drei Aspekte spielen nach Mann eine Rolle:

  • Die persönliche Betroffenheit
  • Raum und Zeit
  • Um was es geht

Ich bin verantwortlich, wenn ich im Rahmen einer festgelegten Aufgabe zuständig bin. Aber auch, wenn ich betroffen oder berührt von einem Thema bin. In einer Situation, in der nichts davon zutrifft, liegt keine Verantwortung für mich vor. Wenn die drei Aspekte nicht zutreffen, dann lasse ich meine Finger davon. 

Beurteilungskriterium Raum und Zeit

  • Verantwortlich bin ich immer nur dort, wo ich bin. Ich habe nur das zu tun, was von meinem Standpunkt aus, möglich ist. Immer unter der Bedingung, dass ich auch zuständig bin. Meine Verantwortung richtet sich immer auf den Ort, an dem ich stehe. 
  • Aus zeitlicher Sicht gibt es nur Verantwortung für die Gegenwart. Verantwortung gibt es nur im Hier und Jetzt. Nirgendwo anders. Der Mensch ist nicht verantwortlich für seine Vergangenheit, da kein Mensch nur eine Sekunde seiner Vergangenheit verändern kann. Deshalb kann er auch nicht für Vergangenes verantwortlich sein. Wer sich mit einer solchen Verantwortung belädt, macht es sich schwer für das Leben und verhindert, dort tätig zu sein, wo er steht. 
  • Aufgrund der Tatsache, dass kein Mensch seine Vergangenheit verändern kann, kann Schuld nur eines bedeuten: es ab sofort besser zu machen. Handeln im Hier und Jetzt. Vergessen Sie die Vergangenheit. Es ist reine Energieverschleuderung. Es sei denn, sie hilft, jetzt besser zu handeln und für die Zukunft zu lernen.
  • Es gibt nach Mann auch keine Verantwortung in die Zukunft. Wieviel auch Politiker, Manager und Wissenschaftler darüber reden. Auch das ist eine Illusion. Die Verantwortung für die Zukunft nennen wir "Sorge". Sorgen sind Dinge, über die wir uns den Kopf zerbrechen, weil sie nie eintreten. Das kann keine Verantwortung sein. Verantwortung richtet sich immer auf das Jetzt. Die Illusion, mich um die Zukunft kümmern zu müssen, hält mich eventuell davon ab, jetzt das Notwendige zu tun. 

Das Gesetz der Neuen Verantwortung

  • Zerbrich dir nicht den Kopf eines anderen. Helfen wollen, ist ein Eingriff in die Selbstverantwortung anderer Menschen. 
  • Wer helfen will, stiehlt dem anderen die Chance, in seiner Selbständigkeit zu wachsen, seinem Lebensziel näherzukommen.
  • Ausnahmen sind Unmündige, also kleine Kinder, Schwerkranke und Alte, die nicht mehr für sich sorgen können. 
  • Wir können immer helfen, wenn uns jemand fragt oder bittet, aber unerbetenes, ungefragtes Helfen schädigt den anderen. 
  • Beantworten Sie nur die Frage, die gestellt wurde. Erfüllen Sie nur die Bitte, die geäussert ist.
  • Um seine Antwort zu geben auf sich stellende Fragen zu geben, haben wir mehrere Möglichkeiten: Bilder, Gedanken, Worte und Handeln. 
  • Die Verantwortung unseres Tuns erstreckt sich auf alle vier Bereiche.
  • Die Verantwortung für alles, was Sie tun oder lassen, beginnt bei Ihnen - und sie endet bei Ihnen (Sprenger)

Das Prinzip Selbstverantwortung 

Ein Selbstverantwortlicher ist zunächst und vor allem gegenüber seinem "Selbst" verantwortlich. Selbstverantwortung meint daher nach Sprenger (1995,S.36ff.) im Kern

  • ein autonomes und freiwilliges Handeln; ein Wählen
  • Grundsatz: love it, leave it or change it.
  • ein initiatives und engagiertes Handeln; ein Wollen,
  • Grundsatz: Wer sagt "Ich kann nicht", der will nicht.
  • ein kreatives und schöpferisches Handeln; ein Antworten.
  • Grundsatz: Sie sind voll verantwortlich für Ihre Antwort. 

Und wie Die Antwort können sie wählen Ihre Einstellung zu den Dingen können Sie ändern. Das Wort "Selbstverantwortung" zeigt: Wir antworten. Wir ver-antworten unsere Antwort vor unserem Selbst. Das ist die Instanz, vor der Verantwortung faktisch ist.

Der Begriff Commitment

Mit dem Begriff Selbstverantwortung ist Commitment inhaltlich weitgehend deckungsgleich. Allerdings kommt auf der Bewusstseinsebene das Versprechen, die Verpflichtung hinzu, wie sie in der deutschen Kulturtradition vielleicht am besten von Friedrich Schillers Gedicht "Die Bürgschaft" illustriert wird. Dieses Verständnis von Commitment umfasst die Begriffe Autonomie, Engagement, Kreativität sowie das Versprechen des "Ich tue es!". Commitment umschliesst mithin die Selbst-Verantwortung auf der Handlungsebene und die Selbst-Verpflichtung auf der Bewusstseinsebene. Ein Spektrum von A(ntwort) bis Z(ivilcourage). Die Frage ist jetzt: Wie sieht das Führungsverhalten aus, wenn die entscheidenden Denkkategorien nicht Wahrheit und Objektivität sind, sondern Brauchbarkeit und Nützlichkeit? Wie gezeigt wird ist keiner der drei Führungsstile besser oder schlechter, höchstens praktischer und brauchbarer für bestimmte Zwecke bzw. Fälle.

Gefragt situationsgerechtes Führungsverhalten

Ein interessantes praktisches Beispiel des situativen Führungsstils findet sich in einer Firmenpublikation der Schweizerischen Bankgesellschaft (1981,S.29). Dabei wird die Situation durch den Zeitdruck und die Qualität des Mitarbeiters in je drei Ausprägungssituationen charakterisiert. Aus der Kombination dieser 3x3 Möglichkeiten entstehen neun Situationen, wobei in der Folge nur noch die drei als typisch erachteten Fälle berücksichtigt werden.

Drei zu handhabende Fälle

Diesen drei Situationen wird nun je ein bestimmter Führungsstil (imperativ, normal, partizipativ) als der erfolgsversprechende zugewiesen. Wenn der Vorgesetzte also in der Realität führt, kann er aufgrund der Situationsbeurteilung einen der drei Fälle und damit ein erfolgsversprechendes Führungsverhalten bestimmen. Abgesehen davon, dass nur drei der neun möglichen Fälle definiert sind, erscheint das jeweils zugeordnete Führungsverhalten unter dem Erfolgsaspekt als durchaus plausibel. Indessen ist die Zahl der berücksichtigten Situationsvariablen (2) sehr klein und deren Ausprägungsmöglichkeiten (3) sind wenig differenziert, wie dazu Edwin Rühli (1992,39ff.) vermerkt. 

Handhabung des situationsgerechten Führungsstils

Wie Peter Müri (1988,S.112ff.) aufzeigt, lässt sich der gesellschaftliche Wandel aus dem Blickwinkel der Führung in drei grosse Epochen zusammenfassen:

  • Feudales Führungsverständnis oder alter 3-K Stil: KKK-Stil (Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren) oder Stil X nach McGregor, bis 1950
  • Kooperatives Führungsverständnis oder 3-F-Stil, (Fordern, Fördern, Feedbacken) oder Stil Y nach McGregor, seit 1950 und situativ-koopertiv, seit 1970
  • Neuzeitliches Führungsverständnis oder neuer 3-K Stil: K-K-K-Stil neu (Kontext, Kultur, Kraft), ab 1990

Wie in der Darstellung sichtbar gemacht, stehen diese zueinander in einem engen Wechselverhältnis, be-dingen und durch-dringen sich gegenseitig, was durch die Farbgebung und den damit zusammenhängen Sinn-Gehalt kenntlich gemacht wird. 

Reife als Schlüsselfaktor

Der mit dem situationsgerechten Führungsstil verbundene Reife-Gedanke (vgl.Fischer,1996, Hinterhuber,1992,S.159ff.) fordert die Auseinandersetzung mit Mitarbeiter-Bedürfnissen und -Qualifikationen. Dies hält Vorgesetzte dazu an, Mitarbeiter zu entwickeln: Es ist die Verpflichtung der Führungskraft, die "Reifung" der Mitarbeiter zu fördern. Die gemeinsame Absprache des Führungsstils (Blanchard/Zigarmi,1995,S.88ff.) sollte Teil sein der Leistungsvorbereitung und leitet das alltägliche Anleiten und Beraten ein. Der vereinbarte Führungsstil entscheidet dann über Anzahl, Häufigkeit und Art der Zusammenkünfte mit Ihren Mitarbeitern. Das einzige, was sich ändert, ist das Verhalten des Vorgesetzten, je nachdem, wieviel Hilfestellung und Direktiven der einzelne Mitarbeiter braucht. 

Darstellung des situationsgerechten Führungsverhaltens und Führungsstils

 

Situationsgerechtes  Führungsverhalten

 
 

 

 
Sachgeschäft mit Zeitdruck / schwache Mitarbeiter Alltagsgeschäft/ durchschnittlicher Mitarbeiter Sachgeschäft ohne Zeitdruck/guter Mitarbeiter
     
Imperativer Fall  Normaler Fall Partizipativer Fall
     
Befehl:  Auftrag:  Delegation/Anregung
Ziel und Art der Ausführung zwingend vorgeschrieben Ziel vorgeschrieben, Art der Ausführung frei Ziel und Art der Ausführung frei
     
Kommandieren Fordern Kontext 
Kontrollieren Fördern Kultur 
Korrigieren Feedbacken Kraft 
     
  Situationsgerechter Führungsstil  
     

 

Quellen und weiterführende Literatur

Blanchard K./Zigarmi P./Zigarmi D.: Der Minuten-Manager: Führungsstile. Wirkungsvolleres Management durch situationsbezogene Menschenführung, Reinbek bei Hamburg 1995, Rowohlt, S.88ff.
Covey S.R.: Die effektive Führungspersönlichkeit. Management by principles. Frankfurt am Main 1993,Campus
Fischer T.: Reife - der Schlüssel zum Glück. Eine praktische Anleitung. Reinbek bei Hamburg 1996, Rowohlt 
Frey C./Kümbel B.: Als Frau Führungspersönlichkeit entwickeln. Was Sie wissen und können sollten, um erfolgreich führen zu können, Mannheim 1993,PAL
Hinterhuber H.H.: Strategische Unternehmungsführung, Band 2: Strategisches Handeln, 5.Auflage,Berlin 1992,de Gruyter,S.159ff.
Institut für Betriebswirtschaft an der Handels-Hochschule St.Gallen: Organisationsbrevier, 6.Auflage,Bern 1974,Haupt,S.8f.
Mann R.: Die fünfte Dimension in der Führung. Quelle für Produktivität und Kreativität im Unternehmen. Düsseldorf 1993,Econ,S.145ff.
Müri P.: Kontext, Kultur und Kraft - Eckpfeiler des neuen Führungsstiles, in: Kälin K./Müri P.,Hrsg.: Führung mit Kopf und Herz. Psychologie für Führungskräfte und Mitarbeitger, Thun 1988,Ott,S.112-130 
Neuberger O.: Reihe "Besser führen". Grundlagen, München 1986/1991,Institut Mensch und Arbeit,S.33ff.: Führungsstile und Führungsverhalten 
Portner D./Kissel D.: Militärische Ausbildungspraxis. Lern- und Arbeitsbuch zur Didaktik und Methodik in der Bundeswehr, Regensburg 1984, Walhalla und Praetoria
Rühli E.: Gestaltungsmöglichkeiten der Unternehmungsführung. Führungsstil, Führungsmodelle, Führungsrichtlinien, Mitwirkung und Mitbestimmung, Bern 1992, Haupt,S.39ff.
Schmidt G.: Organisatorische Grundbegriffe,9.Auflage,Giessen 1991,Götz Schmidt,S.53f.: Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung 
Schweizerische Bankgesellschaft: Führungsbrevier,Zürich 1981,S.29
Sprenger R.K.: Das Prinzip Selbstverantwortung. Wege zur Motivation. Frankfurt am Main 1995, Campus,S.36ff.,52,70,102
Steiger R.: Menschenorientierte Führung. Anregungen für zivile und militärische Führungskräfte. Frauenfeld 1990, Huber,S.12f. 
Ulrich J.: Persönlichkeits-Coaching: der Weg zur überzeugenden Führungskraft, io Management Zeitschrift, Nr.10/1993,S.53-55 
Vollmer G.R.: Welches Selbstkonzept haben erfolgreiche Fach- und Führungskräfte? io Management Zeitschrift Nr.6/1994,S.59-63 
Weiss A.: Sie sind besser als Sie denken. Tests und Methoden zur Einschätzung Ihres Potentials und zur optimalen Auswahl von Mitarbeitern und Führungskräften, Frankfurt am Main 1991,Campus
Wunderer R./Grunwald W.: Führungslehre, Band 1: Grundlagen der Führung, Berlin 1980,S.80ff.: Menschenbild-Typologien,S.84ff. Persönlichkeitstheorien
Dieselben: Führungslehre, Band 2: Kooperative Führung, Berlin 1980,S.63ff.: Kooperative Führung als Persönlichkeitsdisposition,S.90ff.: Selbstverwirklichung,S.171ff.: Ausgewählte Persönlichkeitsmerkmale,S.226ff.: Persönlichkeitsmerkmale und Gruppenprozesse