Management  and  Art

N

- Definitionen im weitesten und engeren Sinne  
- Definitionen nach Hans Ulrich und das St.Galler Management-Modell
- Definition nach Ulrich/Fluri und dem Standardwerk "Management"
- Führung Definition nach Rühli und der Verwaltungsführung 
- Was wir unter Management verstehen
- Management = Unternehmung - Führung - Kunst
- Unternehmung ist das System und die Struktur des Managements 
- Führung ist das Tao und die Strategie des Managements 
- Kunst ist die Kultur des Managements 
- Formbildender Prozess als gemeinsamer Nenner 
- 3 Stilformen der Management-Kunst:
- L-Unternehmungstil als normatives Management-System 
- K-Führungstil als strategisches Management-System 
- S-Kunststil als operatives Management-System
- L-K-S Stil der Unternehmung-Führung-Kunnst als Management-Modell
- Ein dreidimensionales Menschen- und Managementbild

- A) Mensch hoch drei: IQ - EQ - SQ

- B) Unternehmen und C) Führung hoch drei

- VAL - Hard-Ware, Soft-Ware, Mind-Ware

Hat ihnen nicht schon jemand halb scherzhaft, halb bewundernd gesagt: "Das hast Du aber prima gemanaget!", wenn Ihnen etwas gelungen ist? So betrachtet, sind wir wohl alle ein bisschen Manager! Genau das ist gemeint und nicht nur ein bisschen. Jeder ist ein Manager. Jeder hat sein eigenes Leben zu leiten, zu organisieren, zu führen und zu managen (Zielke,1985,S.16). Was ist also Management? Ein Beruf? Eine Praxis? Eine Kunst? Oder eine Fachdisziplin und Wissenschaft? 
Definition im weitesten und engeren Sinne

Der angelsächsischen Begriff "Management" bezeichnet grundsätzlich und im weitesten Sinne "eine zielgerichtete und nach ökonomischen Prinzipien ausgerichtete Handlungsweise in allen Bereichen des menschlichen Lebens." Managen heisst nach einer umfassenden Definition des Komitees für Aus-, Fort- und Weiterbildung des Managements in Europa, "Menschen umweltbezogen in einem dynamischen Analyse-, Entscheidungs- und Kommunikationsverfahren so zu führen, dass Ziele durch planvolle, organisiertes und kontrolliertes Leisten erreicht werden." Im engeren Sinne wird Management im Deutschen zumeist mit "Unternehmensführung" übersetzt, das ist die Gestaltung des Geschehens innerhalb einer Organisationseinheit in der Menschen arbeiten (Schwob,1991,S.15ff.)

Definitionen nach Hans Ulrich und das St.Galler Management-Modell

Unternehmungsführung

  • Die Frage, was Management ist, sei, ist meist recht schnell beantwortet: Unter Management verstehen wir "Unternehmens"- (1) bzw. "Unternehmungsführung" (2). (1) Funktionelle (tätigkeitsbezogene) Sicht. (2) Institutionelle (zustandsbezogene) Sicht (Schmidt,1991,S.12).

  • Hierbei wird in der Literatur Management meist als Summe von explizit aufgezählten Tätigkeiten wie planen, entscheiden, organisieren, Menschen führen, kontrollieren usw. definiert.

  • Das betrübliche an solchen Definitionen ist, dass von verschiedenen Autoren zahlreiche verschiedene Listen solcher Tätigkeiten angeboten werden und dass ein einsichtiger Zusammenhang zwischen diesen einzelnen Aktivitäten nicht hergestellt wird. 

Managementfunktionen

  • Aus dem Grunde definiert der Begründer des St.Galler Management-Modelles, Hans Ulrich, auf einer höheren Abstraktionsstufe Management als "Gestalten, Lenken und Entwickeln gesellschaftlicher Institutionen", was in englischer Sprache als "design, control and development of purposeful social systems" formuliert werden kann (Hans Ulrich, 1984,S.114).

  • Unternehmungsführung ist demgemäss Gestalten, Entwickeln und Lenken einer bestimmten Kategorie solcher Institutionen, die wir Unternehmung nennen. Zu ergänzen wäre: Selektionieren, wie wir dies in Anlehnung an das "GSR-Konzept" von Weick (-> Neuberger,1988,S.58ff.) weiter unten tun. 

Unternehmungsführungsproblem

  • Unternehmungsführung bedeutet also - was Hans Ulrich in seinen Schriften immer wieder betont, wenn man die Unternehmungsführungs-Probleme verstehen will - nicht Führung von Menschen, sondern Führung einer aus vielen Menschen bestehenden grösseren Gesamtheit, einem System höherer Ordnung. Der einzelne Mensch ist zwar, auf seiner [Mikro-] Ebene betrachtet, auch ein System, aber auf der [Meso-] Ebene der sozialen Institutionen nur ein Subsystem, Teil eines grösseren Ganzen [Makro: Gesellschaft], das mehr ist als die Summe seiner Teile (vgl. Dyllik,1982,S.241ff., Hasper/Glasl,1988,S.55ff.). 

  • In den Worten Withauers (1992,S.139): "Obwohl die Unternehmung nur mittelbar durch ihre Teile handeln kann, gibt es ein Handeln der Unternehmung als Ganzes, das mehr ist als die Summe der persönlichen Ziele der ihr angehörenden Mitarbeiter." Die ganzheitliche Perspektive des Managements stellt damit die Frage, wie die Unternehmung als Ganzheit erfolgreich geführt werden kann. 

St.Galler Management-Modell

  • Die Unternehmungsführung umfasst nach dem St.Galler Management-Modell (vgl. Rühli, 1992,S.65ff.) die Gesamtheit aller Gestaltungs-, Lenkungs-, Entwicklungs- (und Selektions-) Prozesse, die das Unternehmungs-Geschehen bestimmen und in abstrakter Sicht als vernetztes Informations-Entscheidungs-System erscheinen. 

  • Der Zweck des St.Galler Management-Modells besteht darin, die Erfüllung von Gestaltungs-, Lenkungs- und Entwicklungsaufgaben in der Praxis zu erleichtern; es richtet sich daher an die Führungskräfte in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft und soll es ihnen ermöglichen, ihre Aufgaben durch die Bereitstellung eines Bezugsrahmen, ihre Aufgaben besser zu erkennen und zu lösen (Ulrich/Sidler,1977,S.12)

Führungswürfel

  • Hierbei werden im St.Galler Management-Modell die Aufgaben und Tätigkeiten der Unternehmungsführung allgemein charakterisiert. Drei sich gegenseitig durchdringende Dimensionen, die sich anschaulich in Würfelform darstellen lassen, werden dazu verwendet: 

  • Führungs-Stufen: Unternehmungs-Politik, Planung, Disposition

  • Führungs-Phasen: Ziel-, Mittel- und Verfahrensbestimmung

  • Führungs-Funktionen: Entscheiden, Ingangsetzen und Kontrollieren

Management nach Ulrich/Fluri und dem Standardwerk "Management"
Management ist die Leitung sozio-technischer Systeme in personen- und sachbezogener Hinsicht mit Hilfe professionellen Methoden. In der sachbezogenen Dimension des Managements geht es um die Bewältigung der Aufgaben, die sich aus den obersten Zielen des Systems ableiten, in der personenbezogenen Dimension um den richtigen Umgang mit allen Menschen, auf deren Kooperation das Management zur Aufgabenerfüllung angewiesen ist. Unterscheiden lassen sich ferner Probleme des allgemeinen Managements, für das im Englischen der Begriff "general management" geprägt ist, von solchen des speziellen Managements einzelner Funktionsbereiche des Unternehmens (Marketing, Forschung und Entwicklung, Einkauf, Materialwirtschaft, Produktion, Finanz- und Rechnungswesen, Personalwesen), das im Englischen als "funktional management" bezeichnet werden (Ulrich/Fluri,1988,S.36ff.). 
Führung nach Rühli und der Verwaltungsführung ...

Der Führung-Begriff lässt sich nach dem Zürcher Ansatz (Rühli,1988,S.28) von den obigen Management-Definitionen wie folgt abgrenzen: "Unter Führung verstehen wir die Gesamtheit der Institutionen, Prozesse und Instrumente, welche im Rahmen der Problemlösung durch eine Personengemeinschaft (mit komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen) der Willensbildung (Planung und Entscheidung) und der Willensdurchsetzung (Anordnung und Kontrolle) dient". 

Führen heisst ...

Nach den von Rühli verfassten Richtlinien für Verwaltungsführung des Bundes (Bern,1974,S.11), heisst "Führen das Handeln aller an einer Aufgabe Beteiligten auf die gesetzten Ziele ausrichten. Begriffsmerkmale des Führens sind: die Fähigkeit zum Überblicken des Handlungsbereichs, der Wille der leitenden Persönlichkeit, ihr Einfluss auf andere Menschen, eine klare Zielsetzung und die Koordination der Tätigkeit aller Mitarbeiter".

Die Führung umfasst:

- den Aufbau einer zweckmässigen Organisation im eigenen Zuständigkeitsbereich, soweit diese nicht schon durch Gesetz oder Vorschriften höherer Instanzen festgelegt ist (strukturelle Seite der Führung) 
- die Lenkung der Mitarbeiter zum Zwecke einer sachlich und formell richtigen Erfüllung der Aufgaben (funktionelle Seite der Führung)
. Beides geschieht unter Einsatz von Führungsinstrumenten.

Was wir unter Management verstehen ...
Unter Management verstehen wir zum einen die Tätigkeit der Unternehmungs-Führung, zum anderen mit Withauer (1992,S.13ff.) eine Leistungs-Gemeinschaft, die als Gruppen-Struktur Team-Charakter, bzw. Organisations- oder Unternehmens-Charakter besitzt. Dabei lässt sich die unternehmerische Führungs-Leistung (Leistung des Managements bzw. der Unternehmens-Leitung) als Integrations- und Koordinations-Leistung angeben und anhand folgender Aspekte tabellarisch darstellen. Der oben erwähnte Markt-Kultur-Kontext stellt hier die zu "managende" Aufgabe dar, welche geschaffen und vermarktet sein will nach dem Motto Rudolf Manns (1995,S.131): "Nutzen kreieren kommt vor Gewinn abschöpfen"
Unternehmung W-Fragen Führung Wo-Fragen Leistung W-Fragen
Nachfrage Wie? Mittel Womit? Bereitschaft Wer?
Probleme Was? Massnahmen Wodurch? Fertigkeit Wann?
Bedürfnisse Warum? Ziele Wohin? Fähigkeit Wozu?
Markt Wo? Grundlagen Worauf? Kultur Weshab?

 

Nehmen wir nun an, dass "Management" - "Unternehmung" und "Führung" sei, und in Richtung "Kunst" (Kultur) tendiere, so können wir drei voneinander abgrenzbare und doch zusammenhängende Management-Formen unterscheiden: 1. System- bzw. Struktur-Management, 2. Tao- bzw. Strategisches Management und 3. Kultur-Management. Im einzelnen:

Unternehmung ist das System und die Struktur des Managements
Zuerst einmal verstehen wir unter dem Ausdruck Management eine Unternehmung, ein System. Das heisst, ein Ganzes bestehend aus mehreren Elementen (Aufgabenträger oder Aufgaben selbst) sowie deren Beziehungen untereinander und ihrer In- und UmWelt. Dabei scheinen die Begriffe "Mikro-Meso und Makro" (Dyllick,1982, Hasper/Glasl,1988) die passende Konkretion dieser "Abstrakta" zu sein, wie die Klassifizierung "Person(en), Gruppe und Unternehmen" von "Mikro, Meso und Makro" (-> Brendl,1989,S.92ff,166ff.,201ff.)
Führung ist das Tao und die Strategie des Managements
Management hat aber auch mit der Führung einer Unternehmung zu tun, welche generell aus sechs Grund-Funktionen besteht und von denen, die Unternehmungspolitik die wichtigste ist. Wobei die Erfolgs-Positionen der unternehmerischen Politik die in der Tabelle erwähnten 4 Aspekte umfasst: Grundlagen, Ziele, Massnahmen (Strategie i.e.S.) und Mittel (Potential). Die übrigen fünf Grund-Funktionen des Managements heissen: Organisation, Information, Planung, Koordination und Kontrolle. Diese schaffen die Voraussetzungen um das Führen einer Unternehmung zu ermöglichen.
Kunst ist die Kultur des Management
Letztlich ist aber Management (Unternehmung-Führung) eine "Kunst". Genauer die Kunst rechtzeitig zu erkennen, wann das eine und wann das andere geboten erscheint. In der zeitlich verankerten "Entwicklung seiner Selbst, eines Teams wie einer Organisation" (-> Kälin/Müri,1988) gilt es, das Wechselspiel von komplexitätsverkleinernder Stabilisierung und komplexitätserhöhender Veränderung zu meistern. Dafür notwendig ist die Bereitschaft, Fertigkeit wie Fähigkeit, innovativ zu werden und kreativ zu sein" (-> Delhees,1994), was letztlich "kompetente Manager" (-> Thommen,1995) kennzeichnet und gegenüber "Bürokraten" und "Ewig-Neutralen" (-> Block,1992) auszeichnet.
Die Einbeziehung der Kulturbedingtheit menschlicher Lebens-Äusserungen rückt im Management  (Withauer,1992,S.140ff.) neben den Führer- und Gruppen-Einfluss den Menschen als nicht zuletzt von persönlichen und fremdbesetzten Werten geleitetes Individuum in den Blickpunkt. Dies bedeutet eine Schwerpunktverschiebung von der instrumentalistischen Sichtweise traditioneller Führungspraxis hin zum Bewusstsein der ideellen Dimension der Führungs-Verantwortung und des Führungs-Handeln im Sinne kulturellen Schaffens.
Kultur als sinn-orientierte Dimension des Managements
Die Kultur, die ein Netzwerk von geistig-sinnhaften Prozessen darstellt, bestehend aus Werten, Normen, Ideologien u.a.m. wird durch deren Formen gewissermassen "charakterisiert". Die Werte wirken steuernd auf die Oberflächen-Struktur der Manifestations-Ebene, sie sind jedoch weitgehend unbewusst und damit schwer analysierbar. Hinter diesen stehen noch grundlegendere, von den Organisations-Mitgliedern nicht mehr hinterfragte, selbstverständliche Annahmen über den Sinn und die Realität des Unternehmens. Damit verleiht die Kultur einem Unternehmen nach innen wie nach aussen eine eigene unverwechselbare Identität, sie führt zur kollektiven Programmierung menschlichen Daseins. Hierbei kommt nach Withauer der Führung im Werden einer Unternehmenskultur eine bedeutende (stil-) prägende Rolle zu. Dies beginnt beim Gründer, der seinem Unternehmen im Stadium des Noch-nicht-Vorhandenseins einer Kultur seine Visionen, Werte und Normen "einhaucht". In der weiteren Entwicklung werden Kulturen durch Vorbild und Vorleben der Führung sichtlich stark beeinflusst. Das unmittelbare Erleben vorbildhafter Führer und die mittelbare Vermittlung ihrer Werte in vielfältigen "Helden-Sagen", scheinen beim Werden einer Unternehmenskultur eine wesentliche Rolle zu spielen. 
Kulturbewusste Unternehmungsführung
Die Unternehmenskultur ist dementsprechend die konzeptionelle Welt der Organisations-Mitglieder, ihr Sinn- und Ideen-System. Die Gestaltungskraft der Unternehmenskultur ist hierbei, wie Withauer an entsprechender Stelle (S.146ff.) aufzeigt, besonders für den betrieblichen Wandel und strategische Entscheidungs-Prozesse bedeutsam. Ein allgemeingültiges Ideal-Bild der Unternehmenskultur gibt es aber nicht. Wie erwähnt, ist Kultur stets im Verhältnis zur Strategie (Struktur) zu sehen. Das strategiebezogene Anforderungsprofil an die Unternehmenskultur ist letztlich der "Mass-Stab" für die Qualität einer Kultur als einer relativ idealen Kultur. Sie profiliert die strategische Stosskraft eines Unternehmens. 
Gestalten der Unternehmenskultur 
Gestalten der Unternehmenskultur heisst nach Withauer (1992,S.150ff.) die Kultur durch das Management (Optik der Unternehmungsführung) verstehen und das Verhalten der Mitarbeiter in Richtung bestimmter Werte beeinflussen. Die Gestaltungs-Aufgabe des Managements orientiert sich generell am Überleben, an der Lebensfähigkeit und der Entwicklung des Systems Unternehmen als Ganzes. Hierbei greifen Führungskräfte permanent gestaltend in den Werdens-Prozess "ihrer" Organisation ein, um diese durch Management-Prozesse auf einen bestimmten Entwicklungs-Pfad zu kanalisieren. 
Die Perspektive des Managements
Die Perspektive des Managements als substantielle "Gestaltung und Lenkung eines Systems" (Hans Ulrich), umfasst all jene Strukturierungs-Massnahmen, die in Form materieller organisatorischer Vorschriften und Regelungen, bestimmte Verhaltensweisen im System produzieren und kanalisieren. Die Tätigkeiten im System werden so auf angestrebte Ergebnisse und Zwecke ausgerichtet, Fehlleistungen und unwirtschaftliches Verhalten verhindert. 
Die symbolische Perspektive
Die symbolische Perspektive des Managements zielt in Anlehnung an Probst (1987,S.92,97ff.) auf die Vermittlung oder Erfassung von Sinn, die Stützung und Legitimierung von Handlungen, die Mobilisierung von Mitarbeiter-Potentialen, die Herstellung von Verständnis zu einer konsequenten Ziel-Orientierung und die Förderung von Neuerungen und Veränderungen. Massnahmen der symbolischen interpretativen Gestaltung wollen Sprach-Code, Mythen, Symbole, Etiketten, Denkmuster, Zeremonien, Riten usw. pflegen, nutzen, strukturieren, verändern, fördern oder verhindern. Diese Symptome sind Ausdrucks - Formen und unterstützen die Entstehung der Kultur eines sozialen Systems. Ohne die legitimierende und orientierende Wirkung durch sinnmachende Prozesse können damit substantielle Strukturen nicht greifen, kaum Wirkung zeigen oder sich entfalten. Umgekehrt verstärken die positiven Erfahrungen und Erfolge mit substantiellen Strukturen wiederum eine passende Kultur. Kurz: "Struktur folgt Kultur und Kultur folgt Struktur" (Probst,1987,S.108).
Das symbolische Handeln von Führungskräften
Kultur lebt in ihrer Glaubwürdigkeit nicht vom "Verkünden", sondern in erster Linie vom Vorleben und Vorbild. Das Vorleben einer Kultur geht nach Withauer (1992,S.153) von bestimmten Modell - Persönlichkeiten aus, die als Schlüssel-Figuren der Organisations-Kultur ein bestimmtes Ansehen geniessen und sichtbar verehrt werden (Pionierunternehmer, Krisenmanager, Bestsellerautoren etc.). Solche "Helden" personifizieren Werte, haben Visionen und verwirklichen sie. Ihre Handlungen haben Symbol-Charakter und regen zur Nachahmung an. 
Gestaltung des kulturellern Kontextes
"Handlungen, Artefakte und Sprache" (Probst,1987,S.109) symbolisieren interaktiv Kultur. Dabei ist Sprache die wohl ausgeprägteste Manifestation. Sie kommuniziert Kultur und bietet eine "Linse" für die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Mit der Gestaltung von "Arte-Fakten" (Kunst-Erzeugnissen) bietet das Management Interpretationshilfen und -schemata für eine sinnvolle Erfassung der Wirklichkeit an. Diese künstlich hergestellte Symbol-Welt beeinflusst das Klima eines Unternehmens ebenso stark wie rational gestaltete Handlungs-Systeme. Indem Führungskräfte einen kulturellen Kontext schaffen (gestalten), werden sie Kulturschaffenden und Künstlern "ähnlich". 
Formbildender Prozess als gemeinsamer Nenner
Aber vergessen wir nicht, dass Ähnlichkeit nicht Gleichheit bedeutet und dass Verschiedenheit ebenso fruchtbar sein kann wie Übereinstimmung. Ebenso sollten wir nicht vergessen, dass es das Prinzip des "Stils" (-> Focillon,1954,S.18ff.) ist, das danach strebt eine Reihe von feststellbaren Übereinstimmungen festzuhalten und damit die Grundlagen zu schaffen für die Ideal-Form mitmenschlicher Beziehungen. Wir gehen hier von der Behauptung aus, dass es nebst einem "kreativen Denkstil" (-> Hampden-Turner,1986: Getzels,Jackson und Hudson) weitere Stile gibt, welche die Besonderheiten des form-bildenden Prozesses zum Ausdruck bringen. Diese, so die Hypothese, kann jeder von uns in der Gestaltung der Kunst, der Führung, wie der Unternehmung als Kunst-, Führungs- und Unternehmungs-Form (Stil) wahrnehmen. 
3 Stilformen der Management Kunst
Für die Beschreibung wie Aufgaben und Probleme von diesen drei Trägern des form-bildenden Prozesses angegangen und wahrgenommen werden, ist es dienlich die Begriffe: Unternehmung-, Führung- und Kunst-Stil kurz zu charakterisieren, bevor wir ihn im Rahmen des Culture Art Paradigmas anwenden und weiter differenzieren.
L-Unternehmungstil als normatives Management-System
Der Unternehmungsstil kennzeichnet die Art wie in die Welt eingegriffen und wie damit ein gegebener Zustand handbar gemacht wird und sich dadurch verändern lässt. Stichwort: Führen mit System bzw. Führungs-Systemen. Dafür erforderlicher Input-Out: Leitlinien-Leifaden. Die  anderen in der Tabelle erwähnten "L" stellen das dafür zu nutzende Potential dar. Weitere Informationen zur Farbgebung der einzelnen Modell-Ebenen und dem Kontext-Hintergrund der 4-L: Leitbild, Leitidee, Leitbegriff und Leitmotiv erhalten Sie hier.
K-Führungstil als strategisches Management-System
Der Führungsstil drückt die Art und Weise des Umgangs von Handelnden aus, in Bezug auf ihre Um- und InWelt. Stichwort: Führen mit Kultur bzw. Führungs-Kultur als Gradmesser. Input-Out: Kultur-Konzept. Potential-Gestalter 4-K: Kraft - Kreativität - Kontext - Kongruenz (-> Müri,1990,1988,1984). Weiterführende Angaben dazu finden Sie hier, deren Definition, bei Anklick des 4-K Text-Link.
S-Kunststil als operatives Management-System
Der Kunststil kennt nebst persönlichen Faktoren des Kunstschaffenden und sozialen Faktoren seiner  MitWelt, auch Grund-Farben und -Formen als repräsentative Konstanten. Das heisst zeitlose Problem-Lösungen, auf denen ein Stil aufbaut, an denen sich letztlich der "Stil-Wille" und das "Kunst-Wollen" bildet (-> Wind-Panofski in: Pochat,1983,S.166ff.). Stichwort: Führungs-Kunst praktizieren - schöpferisch tätig sein, Strategien dafür entwerfen und Sinn-(ergien) aufzeigen. Mittel dazu sind die hier näher behandelten 4-S: Signet - Signal - Symbol (Diethelm,1984,Frutiger,1991) und Struktur (Pochat,1983,S.135ff.)
L-K-S Stil der Unternehmung-Führung-Kunst als Management-Modell
Im hochkomplexen sozialen System mit dessen Teilsystem: Kultur (Kunst) und Wirtschaft (Management) wir uns hier beschäftigten, ist ein tiefgreifender Bewusstseins-Wandel im Gange und mit ihm eine gesellschaftliche und politische Wandlung bestehender Welt- und Menschenbilder (Paradigmen). Dieser Bewusstseins-Wandel bedingt auch ein neues Verständnis des "Phänomens Kunst" (Mercier,1974) und seiner Beziehung zur "Unternehmung-Führung" (Management) und "Kultur". Er bedingt neue Gestaltungs-, Ausdrucks- oder Verhaltensweisen in diesen drei Lebensbereichen wie hier und auf den folgenden KCA Text-Bild-Beiträgen zu entnehmen ist ...

L-Unternehmungs-Stil 

K-Führungs-Stil

S-Kunst-Stil

Leitfaden handbar machen Konzept erstellen Strategie  entwerfen
Leitmotive  selektionieren Kongruenz herstellen Strukturen projektieren
Leitbegriffe entwickeln Kontext  sichtbar machen Symbole moderieren
Leitideen lenken Kreativität  entfalten Signale präsentieren
Leitbilder gestalten Kräfte  konzentrieren Signete visualisieren
Leitlinien formulieren Kultur schaffen Sinn-ergien aufzeigen
Führungs-System erarbeiten Führungs-Kultur bewerkstelligen Führungs-Kunst  praktizieren

Dem "L-K-S" Stil der "Unternehmung-Führung-Kunst" (Grünwald,1999) liegen die 3 Management- und  Führungs-Formen nach Peter Müri (1989) zu Grunde, welche weiter oben behandelt wurden. Der folgende Text-Link führt Sie direkt zur betreffenden Stelle.

Management-Formen Führungs-Formen Stil-Formen
Ordnungs-Management Führung mit Management-Systemen L-Unternehmungs-Stil
Chaos-Management Führen mit Kultur K-Führungs-Stil
Kreativ(itäts)-Management Schöpferisches Führen S-Kunst-Stil

Wie wir aufzeigten steht die Management-Trilogoie: "Strategie-Struktur-Kultur" in einem engen Abhängigkeits- und Beziehungsverhältnis zueinander. Nur wenn wenn sie als Gesamtpaket in Harmonie zueinander stehen, entfalten sie ihre Hebelwirkung und wird Sinn erzielt. Damit die erwähnten Bedingungen in Kraft treten, braucht es einige "gestalterische" Revisionen. Die erste betrifft das "Menschen>bild", das zweite das "Management>bild", welches sich in Anlehnung an Peter Müri (1992,1990) wie folgt beschreiben lässt.

3-dimensionale Menschen-  und Managementbild

 

Mensch Bild-Betrachtung Denk-Haltung Value-Action-Leadership Management Dimensionen
IQ Verstandesbrille Faktendenken Gerüst-Gewichtung -> Sache Struktur 1. Hardware 
EQ Gefühlsbrille Wertedenken Einstellung-Erfahrung -> Person Kultur  2. Software 
SQ Intuitionsbrille Ressourcendenken Vision-Vertrauen -> Prozess Strategie 3. Mindware
 
A) Mensch hoch drei 
Wie dazu Peter Müri (1992,S.287f.) schreibt, sieht jeder Mensch die Welt mindestens durch drei Brillen: durch die Verstandes-, Gefühls- und Intuitionsbrille.

IQ: Verstandesbrille 

In der äusseren Objekt-Wahrnehmung erscheint die Welt als eine Ansammlung von Tatsachen. Der Umgang mit diesen Tatsachen nach den Prinzipien des logisch-rationalen Denkens bezeichnet Müri Fakten-Denken (Domäne der Wissenschaft von aussen, Naturwissenschaften und Technik). In dieser Denk-Kategorie kann richtig und falsch unterschieden und gemessen werden. Es ist wie Müri schreibt die Welt der Natur-Gesetze (1+1 = 2)
EQ: Gefühlsbrille 

Der äusseren objektiven Wahrnehmung kann eine innere subjektive gegenübergestellt werden (vgl. Lüscher,1993,S.153ff.), mit der die Fakten zu Meinungen gemacht werden. Fakten werden immer aufgrund von Erfahrung subjektiv interpretiert. Diese Be-Deutungs-Verleihung bezeichnet Müri Werte-Denken. Das Gebiet der Wissenschaft von innen, Geisteswissenschaften. In diesen "Denkbereich" gehören alle gespeicherten Daten, die vom eigenen Denken und Glauben (beliefs) assimiliert worden sind. Ihr Merkmal ist die starke Besetzung mit Gefühlsgehalten, was sich an der Wert-Qualität (für mich oder für jemand anderen gut statt schlecht, wichtig statt unwichtig, mein statt dein usf.) erkennen lässt. Als Wert-Vorstellungen bestimmen sie Haltung und Verhalten. Es ist die Welt der Erfahrung, der Kultur und Subjektivität oder A- bzw I-rationalität (1 + 1 = 0 oder 3)

SQ: Intuitionsbrille 

Schliesslich entstehen Gedanken nicht nur aufgrund äusserer Reize, sondern auch aus innerer Wahrnehmung und Überzeugung. Diese Quelle wird in unserer Gesellschaft weitgehend als unwissenschaftlich disqualifiziert. Meistens werden diese Informationen als innere kraftvolle Bilder (Visionen) empfangen oder als plötzliche Evidenz (Aha-Erlebnis) oder auch als innere Energie (Geistkraft, Gewissen) erfahren. Dieses Bild-Denken wird Imagination genannt und enthält Informationen, die nicht nur aus eigener Erfahrung stammen, sondern als Eingebung von innen (transzendentale bzw. spirituelle Wahrnehmung) als Intuition und Inspirationen empfangen werden. Diese Denk-Welt entzieht sich einem nicht geschulten Bewusstsein der  Einsicht und ist durch höhere geistige Ordnungen geprägt (-> Endres,1988 bzw. Mann,1993,1996). Es ist die Welt der Sinnfindung und Sinnstiftung nach dem Synergie-Prinzip: 1 + 1 = 4 (-> Hampden-Turner,1986, S.148ff.).

Fakten->Werte->Bild->Denken

Diese drei Denk-Kategorien bilden eine Einheit und potenzieren sich, so dass in Analogie zum geometrischen Raum Peter Müri folgende Formel aufstellt: Verstand mal Gefühl mal Intuition = vollständiger Denk-Akt = ganzheitlicher Mensch oder Mensch hoch drei. Mensch³ = Verstand x Gefühl x Intuition. 

IQ->EQ->SQ->Intelligenz

Aufgrund der Vorherrschaft des Verstandes (IQ) wurde in den letzten dreihundert Jahren in Wissenschaft und Wirtschaft die Emotionalität (EQ) und Spiritualität (SQ) vernachlässigt. Diese werden aber dadurch nicht eliminiert: die Folgen sind vielmehr ein unkontrollierter Einfluss der Gefühlsebene (Werte, Haltungen, Verhalten) auf vermeintlich rational gesteuerten Planungs-Abläufen und Vernachlässigung der intuitiven Evidenz als akzeptable Entscheidungs-Grundlage. Bei Anklick des Text-Links erhalten Sie weiterführende Informationen zur Intelligenz³ =  IQ + EQ + SQ.
B) Unternehmen hoch drei

Wie Peter Müri hierzu schreibt hat nach psychologisch-systemischer Betrachtungsweise jedes soziale Gebilde (Unternehmung, Organisation bzw. Institution) eine Eigen-Dynamik und damit ein geistiges Entwicklungs-Zentrum. Es funktioniert wie ein lebendiger Organismus, der seine geprägte Form und Persönlichkeit hat. 

Struktur->Kultur->Strategie-Dynamik

In Analogie zum Lebewesen "Mensch" kann nach Müri das soziale Wesen "Unternehmen" als dreidimensional funktionierende "Persönlichkeit" (Corporate Personality) verstanden werden. Ein Unternehmen gestaltet sich nach den Gesetzen des Verstandes in der ersten Struktur-Dimension, es hat sein Gefühlsleben (Klima, Image, Ausstrahlung) in der zweiten Kultur-Dimension und entwickelt eine Eigen-Dynamik in der dritten Strategie-Dimension. Das soziale Gebilde "Unternehmen" lebt nach diesen Grundsätzen und bedarf zu seiner Struktur-, Kultur- und Strategie-Pflege, das Instrumentarium des  "Value-Action-Leadership", (-> Müri,1990,Grundlagen: S.204ff, Anwendung: S.131-138,230-238), das abschliessend vorgestellt wird.

  C) Führen hoch drei

In der Führung werden "Sache und Mensch" (Küchle,1991,Kunz,1994) verbunden. Über den Menschen wird eine Sache in Gang gesetzt. In einfachen Vorgängen (Routine-Situationen) genügt ein eindimensionales Vorgehen über eine klare Struktur bezüglich Ablauf und Inhalt. In komplexen Vorgängen (Veränderungs-Situationen) hilft in der Regel nur der Einbezug der emotionalen und intuitiven (sinnergetischen) Ebene. Dreidimensionales Führen besteht auf der zweiten Stufe nach Müri im Erkennen und Verstehen der Kultur-Eigenwahrheiten und auf der dritten Stufe im Einfliessenlassen von Visionen und den 3 I: Intuition - Inspiration - Imagination, dem Finden und Aufzeigen von Sinn und Sinnergien. 

  VAL:  Value-Action-Leadership 
Praktisch geht die Herstellung des Einverständnisses (Konsensbildung auf der Gefühls- und Intuitions - Ebene) so vor sich, dass bei stark divergierenden Anschauungen und Ideen die einem Vorhaben zugrundeliegende "Wert-Haltung" analysiert werden muss. Dazu kann die von Peter Müri entwickelte GGEEVV-Formel als VAL-Strategie-Leitfaden benutzt werden, um die einem Unternehmen zugrundeliegende "Werte-Landschaft" zu erkunden und damit eine Grundlage für die Verständigung über das zu Gestaltende zu erhalten.
VAL-Hardware: Gerüst + Gewichtung  

Auf der rationalen Struktur-Ebene gilt es das Denk-Gerüst (IQ) zu hinterfragen und gewichten:

Gerüst
Welche Theorie, welches Denk-Modell, welche Lehre (der Person = Subjekt) steht hinter dem Gedanken (oder dem Gegenstand/Sache = Objekt)  
Gewichtung
Welchen Stellenwert hat der Gedanke (oder das Objekt) im Denk-Modell des Betreffenden (Subjektes) und seines Umfeldes? 
 
VAL-Software: Einstellung + Erfahrung 
Auf der emotionalen Kultur-Ebene sind Einstellungen und Erfahrungen zu prüfen (EQ)
Einstellung
Wie ist die Beziehung zwischen dem Gedanken, Idee (Gegenstand, Objekt) und der Person (Subjekt) beschaffen und wie beeinflusst die Beziehung der Personen unter sich die Aktion (Vorhaben, Programm, Projekt)
Erfahrung
Wie ist die Aktion in der Erfahrung der Personen erlebnismässig eingebettet? Wichtige Aufschlüsse dazu ergeben sich, wenn wir mit Max Lüscher (1993,S.187f.) vier normale Selbstgefühle und vier Arten der Intuition voneinander unterscheiden, welche für die nächste Stufe der Visions-Findung und Visions-Durchsetzung von zentraler Bedeutung sind.
Die 4 normalen Selbstgefühle als  Nährboden der Intuition

Intuition setzt Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit voraus. Damit wir dazu fähig sind, müssen wir unbelastet und selbstsicher sein. Trotz alller Unsicherheit, die in der Umwelt herrscht, wird man sich selbstsicher fühlen, wenn man sich Selbstvertrauen erworben hat und sich die Selbstachtung erhält. Intuition ist erfahrbar, wenn man lernt, sich der kreativen Aufgabe völlig hinzugeben und alle Selbstüberwertungen (Selbstbewunderung oder Arroganz) und alle Selbstunterwertungen (Selbstzweifel und Minderwertigkeits-Gefühle) auszuschalten. In Beziehung gesetzt zu den vier Harmonie-Idealen (->  Lüscher, 1993,S.43ff.,116ff.) ergibt dies der Sinn-Gehalt kultureller Wert-Schöpfung:

  • Selbstachtung: ethisches Sinn-Verständnis - Ideal der Gerechtigkeit
  • Selbstvertrauen: praktisches Sinn-Verständnis - Ideal der Geschicklickeit
  • Zufriedenheit: logisches Sinn-Verständnis - Ideal der Wahrheit
  • innere Freiheit: ästhetisches Sinn-Verständnis - Ideal der Schönheit

Die 4 genannten Selbst-Gefühle: Selbst-Achtung, Selbst-Vertrauen, Zufriedenheit und innere Freiheit sind kein Dauerbesitz. Sie sind nach Lüscher unbewusste Erfahrungen, die aus dem adäquaten Umgang in den Umwelt-Beziehungen resultieren. Sie stehen in einem ständigen dynamischen Prozess, in einer Art Wechsel-Gefüge, in dem jede der vier genannten Ideale ein anderer Lebensbereich eröffnet und uns den Weg zur Harmonie weist. Wenn neurotische Selbstgefühle ausgeschaltet sind und der Zustand des inneren Gleichgewichtes gewährleistet ist, dann ist nach Lüscher der Zugang zu den unbewussten Erlebnis-Gestalten der Intuition offen .Jetzt kann durch eine vage Such-Haltung unvermittelt bewusst werden, dass eine unbewusste Erlebnis-Gestalt mit einer Vorstellungs-Gestalt (einem Denk-Muster) übereinstimmt. Diesen Kongruenzfall nennen wir "Einfall" oder "Eingebung" oder, weil er wie ein Blitz zündet und aufleuchtet, "Erleuchtung" oder "Intuition". 

Die 4 Arten der Intuition

Nach Max Lüscher  gibt es verschiedene Arten der Intuition. Der bildende Künstler hat andere Intuitionen als der Komponist, der Manager andere als der Erfinder. Jeder besitzt ein andersartiges Archiv an unbewussten Erfahrungen, und auch sein Denken besteht aus verschiedenartigen Vorstellungs - Gestalten. Nach Max Lüscher kann man (vgl.1993,S.187) generell vier Arten von Intuitionen haben:

  • Der in Begriffen Denkende kann theoretische Intuitionen haben
  • Wer anschaulich sich beim Vollziehen einer Tätigkeit Gedanken macht, kann praktische Intuitionen haben
  • Wer sich einfühlende Gedanken macht, kann psychologische Intuitionen haben.
  • Wer zu imaginativem Denken fähig ist und sein Phantasie bildnerisch oder musikalisch ausdrücken kann, hat künstlerische Intuitionen

 Je nachdem, welches Denken für eine Tätigkeit erforderlich ist, treten andere Intuitionen und anders geartete Visionen auf, wenn die entsprechenden Erlebnis-Gestalten gespeichert sind. Bei einem Schriftsteller kann sich die künstlerische und die psychologische mit der theoretischen Intuition verbinden. Ein Manager kann praktische und psychologische Intuitionen haben, je nachdem ob er eine Strategie entwirft oder ob er Einsichten in die Unternehmenskultur und in Personalfragen gewinnt. Womit klar gemacht ist, dass reiche Erfahrungen zu den Voraussetzungen jeder Intuition sind. Der Mangel an Erfahrung und eine geringe Vergleichsbasis können nur zu einem riskanten Ratespiel, aber niemals zu einer Intuition oder Vision führen. 

Die intutive Einstellung
In den Worten Karl Jaspers (1985,S.64ff.) ist die "intuitive Einstellung nicht ein schnelles Hinblicken, sondern ein Sichversenken. Es wird nicht, was vorher gewusst wird, mit einem Blick noch einmal festgelegt, sondern es wird ein Neues, Erfülltes angeeignet in einem Prozess der sich entwickelnden Anschaulichkeit. Alles Intuitive besteht zwar in Subjekt-Objektspaltung, aber es geht die Bewegung zwischen Subjekt und Objekt auf eine Weise hin und her, dass ein Bewusstsein der Nähe, des Zusammengehörens (Identität), der Verwandtschaft zum Objekt da ist, während die rationale Einstellung die völlige Distanz schafft, die mystische Einstellung die Subjekt-Objektspaltung gänzlich aufhebt.  (...) Die Gegenstände dieser Anschauung sind die Sinnenwelt und die Seelenwelt. Auf den anschaulichen Einzelelementen dieser Welten erhebt sich der Bau des "schaubaren" Gestalten, Ideen. Diese alle sind nur darin und darüber gegeben."
 
VAL-Mindware: Visionen + Vertrauen

Auf der sinnstiftenden Strategie-Ebene sind mögliche Sinnergien (SQ) und das damit zusammenhängen "Dynamik-Prinzip" (Pümpin/Imboden,1991) sichtbar zu machen.

Visionen

Was können wir besoners gut? Wer braucht diese Leistung? Wo sind die Vorteile zu Wettbewerbsangeboten? Wie bringen wir unsere eigene Einzigartigkeit zur Wirkung? Wie können wir von dem leben, was als Gewinn übergig bleibt? 

Ein geistiges - strategisch - ideelles Bild ...

Ohne so ein geistiges Bild wäre die Kraft gar nicht, ein Unternehmen zu gründen, die notwendige Energie aufzubringen, die Risiken zu überwinden, die Anfangsschwierigkeiten zu bewältigen und durchzusetzen, wenn es einmal nicht so klappt. Eine Vision zwingt uns, in bezug auf unsere Zukunft Stellung zu beziehen. Sie vermittelt uns die Werte, für die wir bereit sind, Risiken einzugehen, uns setzt so den unternehmerischen Kreislauf in Gang. 

Eine Vision sollte dabei nach Peter Block (1992,S.116ff.) sowohl strategisch als auch ideell sein. Der strategische Aspekt hält uns auf Verbraucher- und Unternehmenskurs und orientiert jeden Schritt der Einheit am Erfolg des Unternehmens. Der ideelle Anteil der Vision soll unsere Phantasie beflügeln und uns inspirieren. Unsere Vision ist höchster Ausdruck dessen, was wir erreichen wollen. Unsere Vision ist Ausdruck unserer Überzeugung, dass wir Sinn finden und nützlich sein können. 

Der Unterscheid zur Unternehmensphilosophie ... 
  • Sie ist Ausdruck von Optimismus und indirekter Ausdruck Enttäuschung über die Gegenwart.
  • Sie zeigt eine Zukunft, wie wir sie für unseren Bereich wünschen, und eröffnet den Kampf mit den Visionen anderer. 
  • Die Kraft einer Vision lässt sich daran messen, wie sehr sie uns zur inneren Rechenschaft zwingt.
  • Sie unterscheidet sich von der Unternehmensphilosophie darin, dass unsere Branche und machmal unsere Stellung in dieser Branche definiert. Sie legt das Spiel fest, das wir spielen werden.
  • Eine Vision hebt eher darauf ab, wie unser Managementstil aussehen soll. 
  • Eine Vision zu schaffen und weiterzugeben bedeutet Führen. 
  • Eine Vision ist kein Unternehmenskonzept, kein Vertrag und keine Werbebroschüre, sie ist eher ein Glaubensbekenntnis. 
  • Eine Vision ist eine qualitative Zielsetzung, die den Zustand beschreibt, zu dem wir hinwollen, als wären wir bereits dort. Sie ist damit das "Dach", der "rote Faden", unter den sich Strategien, Absichtserklärungen, Projekte und Massnahmen im Unternehmenskonzept unterordnen. 
  • In der Vision habe Zahlen keinen Platz. 
  • Im Gegensatz zur quantitativen Zielsetzung, die immer einen Zeitraum umfasst und einen spätesten Zeitpunkt der Zielerreichung festlegt, ist die Vision zeitlich offen.
  • Im Gegensatz zu Visionen entstehen Leitbilder auf der rationalen Ebene unseres Denkens. Sie sind das Produkt unseres gemeinsamen Denkens, sie bringen unsere Absichten, unser Wollen zum Ausdruck. 
  • Im Gegensatz dazu sind im Wunschbild unsere Wunschvorstellungen wiedergegeben. Die Wünsche gehen in der Regel über die Leitbild-Formulierungen hinaus. Weil Wünsche etwas mit unseren Gefühlen zu tun haben, mit unseren Träumen, mit unseren Idealbildern und mit unseren inneren Bestrebungen. Das Wunschbild ist ein Vorstellungsbild, das aus dem Bereich unserer Gefühle, unserer Träume und unserer Ideal-Vorstellungen entstammt.  
Das Besondere an der Vision

Nachdem wir alles abgegrenzt haben, was nicht Visionen sind, bleibt nur noch die Frage: Was ist denn das nun, was wir Vision nennen? Zuerst einmal müssen wir nach Rudolf Mann (1990) die Form betrachten, in der eine Vision ihren Ausdruck findet. Mann zählt drei Varianten auf: 

  • Manche Unternehmen begreifen ihre Vision als ein Wort oder einen (Leit-) Satz. Was man besser als "Credo" bezeichnen sollte.
  • Andere fomulieren ihre Vision in fünf bis sieben Sätzen so, dass sie auf eine DIN-A4-Seite passt.
  • und andere verstehen die Vision als ganze Firmen-Broschüre, die intern und auch für alle Partner des Unternehmens Verwendung findet.

Nach Mann ist der mittlere Weg der beste ist. In einer Vision soll etwas mehr gesagt werden als ein Grund-Gedanke, damit sie eine breitere Identifikationsbasis bietet. Sinnvoll ist über den Zweck des Unternehmens, die Produkte und Leistungen, die Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitern und Partnern innerhalb und ausserhalb des Unernehmens sollten zum Ausdruck kommen, weil damit Gefühle verbunden sind, die den Sog erzeugen für die Lebens-Energie des Unternehmens. 

Vertrauensbildende Massnahmen

Der Vision kommt in erster Linie eine interne Orientierungs-Aufgabe zu, um die internen Energien auf eine Punkt zu bündeln. Um Sinn zu geben und die freiwillige Ausrichtung der Mitarbeiter in eine Richtung zu ermöglichen. Damit wieder alle in einem Boot sitzen, an einem Strang ziehen. Und das auch noch in die gleiche Richtung. Vertrauen soll aufgebaut und gestärkt werden. Als vertrauensbildende Massnahme gilt es die Art und Weise der Visions-Verkündigung nach aussen gründlich zu überlegen. Denn es kann sein, dass in der Vision Dinge stehen, die man als Anspruch nach aussen nicht in der gleichen Weise formulieren möchte. Deshalb empfiehlt Rudolf Mann, die Vision zuerst einmal mit dem Blick nach innen zu entwickeln. Und in einem zweiten Schritt zu überprüfen, ob und in welcher Form die Grund-Gedanken der Vision auch nach aussen für Aussenstehende Verwendung finden soll.

Vertrauen
Sobald wir unsere Vision in Taten umsetzen, handeln wir politisch. Die erste Frage lautet jetzt: "Wer teilt meine Absichten und meine Vision?" Das finden wir durch Gespräche heraus. Also - wer hat die gleiche Vision oder zumindest eine, die mit meiner vereinbar ist? Auf eine identische Vision werden wir nur selten stossen, aber oft kann unsere Vision mit anderen sehr gut koexistieren. Also müssen wir viel miteinander reden, denn nur so finden wir heraus, wer unsere Vision teilt.  Zwei Aspekte entscheiden darüber, ob Menschen zu unseren Verbündeten oder Feinden werden: Übereinstimmung (Kongrunez) und Vertrauen (Offenheit). Entweder herrscht Übereinstimmung über das von uns gesteckte Ziel, oder wir streiten uns. Entweder herrscht Vertrauen über den Weg dorthin oder Misstrauen. Gründe für Übereinstimmung oder Streit können nach Block (1992,S.143ff.) die abstrakte Formulierung unserer Vision oder häufiger, das fehlende Vertrauen in deren Sinn-Gehalt.
Vertrauen, das heisst: 

Nach Kobi (1994,S.22): 

  • Vorbild sein
  • Offenheit und Ehrlichkeit
  • Freiräume schaffen
  • An die Entwicklungsfähigkeit der Mitarbeiter/innen glauben und damit die 
  • inneren Kräfte aktivieren. 

Keine Ressource wird so schlecht genutzt, wie diejenige der Mitarbeiter/innen. Deshalb steht im Leitspruch eines grossen Chemieunternehmens: "Wo Menschen als Menschen wachsen, wächst auch die Organisation." Die sachliche Unternehmensführung muss mit der Idee der Entwicklung der eigenen Kräfte ergänzt werden. das heisst nach Kobi:

  • ständig ermutigen
  • Fehler machen dürfen
  • partnerschaftliche Zusammenarbeit
  • wenig ausgeprägte Hierarchien:

Freiraum geben, Experimente ermöglichen, schwierige Aufgaben übertragen verlangt Vertrauen. Vertrauen ist hierfür die  Vorbedingung, damit Mitarbeiter/innen wagen, Neuland zu betreten. Die Vorleistung des Vorgesetzten besteht darin, den Mitarbeiter/innen einen Vertrauensvorschuss zu geben, ihnen Sicherheit zu vermitteln und sie nötigenfalls abzuschirmen. Einem anderen vertrauen, kann nur derjenige, welcher sich selber auch vertraut und die nötige Souveränität, Gelassenheit und Geduld besitzt. Ein konkreter Ansatz kann nach Kobi die Einführung des Grundsatzes: "Was nicht verboten ist, ist erlaubt" darstellen. (Kobi,1994,S.31,50ff.,60f.)

Die Abstimmung der einzelnen  GGEEVV-Bausteine, löst bei starken Gegensätzen meistens heftige Konflikte aus. Es ist wichtig diese auszutragen, selbst auf die Gefahr hin, dass vorübergehend Chaos entsteht. Das dreidimensionale Führen betrachtet diese Verwirrung als notwendige Stufe um zu einem kreativen Ergebnis zu gelangen. Das Entscheiden und Handeln aufgrund abgestimmten Wissens und angeglichener Werte und Visionen bedarf einer relativ raschen Realitätsüberprüfung. Deshalb beschränkt dreidimensionales Führen das Planen auf kleine Schritte. Nur durch rollende Planung kann die durch Konsens gewonnene Entscheidung an der Realität geprüft und daraus unmittelbar für die Fortsetzung gelernt werden. Es ergibt sich folgendes Vorgehens-Modell für das Führen hoch drei: Value - Action - Leadership: Value = Wertfindung, Action = Umsetzung, Leaderhsip = Wertfindung und Umsetzung mit Konsens (-> Müri, 1992,S.292), oder wie hier behandelt die Stufenleiter: Strategie (Wertfindung) > Struktur (Umsetzung) > Kultur - Managmement  (Wertfindung und Konsens). 

Management Art > Strategie > Struktur < Kultur > Unternehmung-Führung-Kunst

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