Kultur-Dialog West-Ost

  1. Der europäische Standpunkt 
  2. Kreativität als Sinn-Bild - Culture Art als Leit-Bild
  3. Der asiatische Standpunkt 
  4. Kunst als Sinn-Bild - Ästhetik als Leit-Bild
  5. Quellen und weiterführende Literatur

1. Der europäische Standpunkt

Suche nach der immerwährenden Ganzheit

Der europäische Standpunkt und damit die europäische Culture Art Position können nur verstanden werden, wenn wir ihn als eine sittliche symbolische Darstellung betrachten, wo die immerwährende Überzeugungs-Suche nach Ganzheit und dem Mass aller Dinge mittels einer Ideologie wegweisend sind.

Ideologie als Mass-Stab

Dabei sind Ideologien ein beliebig organisierter Satz von Gedanken, den die Menschen einerseits klar artikulieren und leidenschaftlich vertreten können, und über den sie sich andererseits überhaupt nicht sicher sind. Ideologien lassen sich dabei generell einteilen in Links, Rechts oder Mitte.

Die Links-Rechts-Ideologie

Tomkins unterscheidet so zwischen Links und Rechts. Links: Ist der Mensch das Mass aller Dinge. Rechts: Ist das Mass unabhängig vom Menschen.

Die Links-Rechts-Ideologie in der Kunst

In der Kunst gibt es die wiederkehrende Polarität zwischen den Romantikern auf der linken, mit der Betonung der Gefühle, des Irrationalen und des Persönlichen; und dem Klassischen auf der Rechten, wo die Betonung auf der Kontrolle, der Einschränkung und der Vernunft liegt. Die Ironie liegt darin, dass beide recht haben, jedoch nur die entgegengesetzte Hälfte des Widerspruchs sehen.

Das ideologische Zentrum 

Tomkins schlägt das ideologische Zentrum als die wahre Quelle einer kreativen "Veränderung-plus-Kontinuität" vor. Die so definierte Mitte wäre kein kleinmütiger Kompromiss zwischen der Linken und der Rechten, ebensowenig eine Aneinanderreihung von feindlichen Extremen, die sich gegenseitig aufschaukeln, sondern eine Bewegung zwischen den Polen, zwischen den Extremen, bei der beide in einem einzigen Prozess versöhnt würden wie dies in der System Art Struktur näher ausgeführt und im folgenden Sinn-Bild der Kreativität zum Ausdruck gebracht wird.

2. Kreativität als Sinn-Bild - Culture Art als Leit-Bild

Links - Rechts - Mitte

Links Rechts
"Herr" Konvergent "Frau" Divergent
quantifizierend - verbal qualifizierend - bildhaft
Struktur - organisierend Strategie - improvisierend
zielorientiert  richtungsorientiert 
analytisch - rational synergetisch - intuitiv
System Art  Tao Art 
Mitte: Kreativität = Konvergenz + Divergenz
Mass-Stab: Kultur = Struktur + Strategie
Medium: Kunst = System + Tao
MMM: Culture Art = System Art + Tao Art

3. Der Asiatische Standpunkt

Tao - der Weg des Universums

Der asiatische Standpunkt und damit die asiatische Culture Art Position können nur verstanden werden, wenn wir ihn (ebenfalls) als eine sittliche symbolische Darstellung betrachten, wo eine Eingliederung in den Lauf der Dinge und dem Mass aller Dinge dem Tao (wörtlich "der Weg des Universums") im Vordergrunde steht.

Die Philosophie des T'ai Chi

"Yin" und "Yang", die das T'ai Chi symbolisieren (Diagramm des Allerhöchsten), sind miteinander verflochten, zyklisch wiederkehrende Polaritäten (Wendt, 1986). Wenn wir irgendein Phänomen oder einen menschlichen Wert bis zu ihrem logischen Extrem führen, dann können wir feststellen, dass sie sich in ihr Gegenteil verwandeln, so wie die grosse, glühende Sonne in der Nacht versinkt. Ferner birgt das Ende jeder Polarität den Keim ihres Gegenstückes in sich, so wie Mann und Frau die Keime beider Geschlechter enthalten und jede Jahreszeit den Keim für die nachfolgende Jahreszeit kennt, ist es auch mit den beiden hier behandelten Standpunkten.

Die Philosophie des T'ai Chi in der Kunst

"Yin" und "Yang" benutzen eine grundsätzliche Zweideutigkeit, um auf die Einheit der möglichen Bedeutungen hinzuweisen und neue Interpretationen zu stimulieren: Ein Kreis, ein Strudel, ein geschlängelter Pfad, ein Baum oder die Umarmung von Liebenden. Sie weisen hin auf immerwährende Überzeugungsversuche zu Harmonie, Ästhetik (Sinnlichkeit), Verschmelzung, Komplementarität, Durchlässigkeit und gegenseitiger Durchdringung, wie dies in der Abbildung versinnbildlicht wird. 

Das ideologische Zentrum und die Philosophie des T'ai Chi

Der Mensch ist das Mass, aber er muss sich auch messen lassen. Es handelt sich dabei um einen Lern-Prozess, der in einem Zyklus der ewigen Wiederkehr von Innen nach Aussen läuft, mit der "Yin-Yang" Symbolik verdeutlicht werden kann und der Philosophie des T'ai Chi wie dem Wort "Spiritualität" zu tun hat. Zu tun mit einer Sensibilität für Erfahrungen, die sich auf rationale Art und Weise nicht ganz erklären lassen. Eine Sensibilität, welche alles Materielle und Psychische und rein Geistige einerseits und das absolut Unnennbare, Nicht-Manifestierte anderseits trägt, umfasst und durchzieht, wie dies in der bildenden Kunst und Ästhetik der Fall ist.

4. Kunst als Sinn-Bild - Ästhetik als Leit-Bild

 

Yin - Yang - T'ai Chi

Yin + Yang -
Gefühl  Stilwille
Inhalt Form

Ästhetik - Sinnlichkeit - Harmonie

+ T'ai Chi -

 

5. Quellen und weiterführende Literatur

Quelle: 

Grünwald M.W.: KCA-Reihe "Der Kulturmanager", Dokument Nr.2,S.8ff. Leitidee: Europäische und asiatische Kunst

Literatur:

Bleicher K.: Das Konzept integriertes Management, Frankfurt am Main 1991, Campus,S.72ff.,93f.,17ff.,285ff. 
Brendl E.: New Game - Wandel meistern.1.Auflage, Bonn 1989, Norman Rentrop,S.29,94,299: Divergenz und Konvergenz  
Chang C.-Y.: Tao, Zen und schöpferische Kraft. 5.Auflage,Köln 1987,Diederichs 
Cooper J.C.: Der Weg des Tao. Eine Einführung in die alte Lebenskunst und Weisheitslehre der Chinesen. 4.Auflage, Bern/München/Wien 1985, O.W.Barth - Scherz Verlag
Endres H.: Das Beste aus dem Leben machen. Ein Leitfaden zur Selbsterfüllung und Selbstmeisterung, München 1988,Knaur,S.38ff.   
Greipel P.: Strategie und Kultur. Grundlagen und mögliche Handlungsfelder kulturbewussten strategischen Managements, Bern 1988,Haupt,S.188ff. Kreatives Lernen: Konvergierendes versus Divergierendes Denken
Hampden-Turner C.
: Modelle des Menschen. Ein Handbuch des menschlichen Bewusstseins. Weinheim 1986, Beltz, S.20f.,Yin und Yang: Die Philosophie des T'ai Chi; 68ff. Linke, Rechte und Mitte: Silvan Tomkins und seine Ideologie-Kritik; S.104: Die Kontroverse um die zwei Denkstile der Kreativität: "divergent" Kunst-Stereotyp und "konvergent" Wissenschafts-Stereotyp: Getzels, Jackson und Hudson  
Henckmann W./Lotter K.,Hrsg: Lexikon der Ästhetik, München 1992, Beck 
Kunzmann P./Burkard F.-P./Wiedmann F.: dtv-Atlas zur Philosophie, Tafeln und Texte, München 1991, dtv,S.48f.  
Ladensack K.: Kreativität im Management. Heidelberg 1992, Sauer, S.38,40,42,82,134,196: divergentes und konvergentes Denken
Markert C.: Yin Yang. Harmonie von Sinnlichkeit und Vernunft. 2.Auflage, München 1985,Goldmann  
Pochat G.: Der Symbolbegriff in der Ästhetik und Kunstwissenschaft, Köln 1983, DuMont,S.152ff. Gefühl und Symbol,S.166ff.: Kunst- und Stilwille 
Rüegg J.: Unternehmensentwicklung im Spannungsfeld von Komplexität und Ethik. Bern 1989,Haupt,S.40ff.,429f. 
Scheler M.: Philosophische Weltanschauung. Bern 1954, Francke
Ulrich H.: Management, Dyllick T./Probst G.J.B.,Hrsg., Bern 1984,Haupt,S.343ff.
Welsch W.,Hrsg.: Die Aktualität des Ästhetischen, München 1993, Fink 
Wendt V.K.: Polarität. Das kosmische Gesetz der Ureinheit. Basel 1986, Sphinx
Willi J.: Ko-Evolution. Die Kunst gemeinsamen Wachsens. Reinbeck bei Hamburg 1989, Rowohlt

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